Was Milieuschutzgebiete in Prenzlauer Berg bewirken

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Gentrifizierung in Berlin : Investoren gegen Mieter: Da ist die Tür!
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Altbau-Charme. Das kann noch schöner werden, meinen Investoren - und damit besser zu vermarkten. Ohne Mieter.
Altbau-Charme. Das kann noch schöner werden, meinen Investoren - und damit besser zu vermarkten. Ohne Mieter.Foto: Anikka Bauer

Dabei war Jens-Holger Kirchner bundesweit in den Medien, weil er etwas erließ, was als Verbot von Luxussanierungen die Runde machte. Das klingt schmissig und macht was her, die Wirklichkeit ist natürlich viel popeliger. Teile von Prenzlauer Berg gelten als Milieuschutzgebiet, alle Modernisierungen dort müssen sogenannte „Prüfkriterien für Anträge in den Erhaltungsgebieten“ erfüllen. Diese hat Kirchner nicht erfunden, sondern nur verändert – nicht genehmigt werden zum Beispiel der Einbau eines zweiten Bads oder die Zusammenlegung von Wohnungen. Es geht beim Milieuschutz weniger um den Schutz von Mietern, sondern auch um städtebauliche Überlegungen und die Frage, was der Staat leisten kann. Denn wenn noch mehr Familien durch schöne, große Wohnungen nach Prenzlauer Berg gelockt werden, wollen all diese Familien auch schöne, große Schulen in der Nähe gebaut bekommen. Und das übernimmt kein Investor, sondern das müsste der Bezirk stemmen – ein Problem für die finanziell klamme Stadt. Trotzdem profitieren natürlich auch Mieter, die sich Modernisierungen nicht leisten können, von solchen Verboten. Zumindest theoretisch.

In der Praxis ist es aber nicht unbedingt so, dass ein Eigentümer seine Modernisierungsvorhaben einreicht und abwartet, was genehmigt wird und was nicht. Denn auf jeden Fall erlaubt ist ja alles, was der Umwelt guttut. Also kann man schon mal das Gerüst aufbauen und den Mietmanager entsenden. Ziehen dann die ersten Mieter aus, darf der Eigentümer über ihre Wohnungen nach Belieben verfügen, und wer sie kauft, kann sich, wenn ihm danach zumute ist, auch drei Bäder einbauen.

Und dann gibt es noch ein zweites Problem. Manchmal geht es gar nicht um die Frage, ob ein zweites Bad Luxus ist oder nicht. Manchmal gibt es noch nicht einmal ein Bad, sondern nur eine Außentoilette, und dann ist die Aussicht auf Modernisierung vielleicht keine Zumutung, sondern ein Versprechen. Die Häuser in der Gleimstraße und Bergstraße verfielen, weil die Erbengemeinschaften sich nur um das Nötigste gekümmert hatten, auch das Haus in der Hasenheide war sanierungsbedürftig. Ist es da nicht gut, wenn ein Investor kommt, Geld in die Hand nimmt und, wie in der Gleimstraße geschehen, eine Heizung, einen Fahrstuhl oder einen mit Pergola umrankten Müllplatz verspricht? Verkennt man ihn nicht, wenn man in ihm nur den Schurken sieht?

Gleimstraße, Bergstraße, Hasenheide. Drei Fälle aus Prenzlauer Berg, Mitte und Kreuzberg. Was sie eint: Hinter den Gesellschaften, denen diese Häuser gehören, steht derselbe Mann. Er heißt Sascha Klupp. Auf die Fragen des Tagesspiegels zu seinen Objekten und den Problemen mit einigen Mietern reagiert er zunächst sehr reserviert. Und schaltet seinen Anwalt ein. Dabei ist Klupp sonst nicht öffentlichkeitsscheu, ein engagierter Blogger in eigener Sache: Er sei Spezialist für traumhafte Dachgeschosswohnungen und stehe für jahrelange Erfahrung und allerhöchste Professionalität, ist da etwa zu lesen (http://klupp-berlin-reportage.blogspot.com und sascha-klupp-interstadt.blogspot.com).

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