Geocaching : Unglücklich versteckt

Der falsche Bombenalarm in Lichtenberg bringt ein boomendes Hobby in Verruf: Geocaching, die Schnitzeljagd per Satellitenortung

Sebastian Leber

Sie liegen am Alexanderplatz, auf der Museumsinsel und am Brandenburger Tor, man findet sie im Tiergarten und auch auf der Spitze des Teufelsbergs: kleine Dosen und Schachteln, im Boden vergraben, hinter Schildern festgebunden oder einfach in dunklen Ecken versteckt. Die meisten Berliner laufen ahnungslos an ihnen vorbei, nur wer gezielt sucht und sich im Internet die richtigen Koordinaten besorgt, kann sie finden. Es sei denn, es geht etwas schief.

Am Mittwochabend hat das Spiel „Geocaching“ – eine moderne Form der Schnitzeljagd mit GPS-Geräten – einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Weil am Bahnhof Lichtenberg ein rohrähnlicher Gegenstand von Passanten für eine Bombe gehalten wurde, sperrten Beamte drei Gleise und Teile der Frankfurter Allee ab. Erst ein Spezialkommando konnte später Entwarnung geben.

Der Zwischenfall ist nicht der erste in diesem Jahr: Ende September gab es Fehlalarme in Karlsruhe und Hannover, auch hier entpuppten sich die vermeintlichen Bomben als harmlose Dosen.

„Geocaching“ kommt aus den USA und wird „Geokäsching“ ausgesprochen. In Deutschland gehen mittlerweile bis zu 60 000 Menschen auf Schatzsuche per Satellitenortung. Dafür brauchen sie nur ein GPS-Gerät, das es im Elektronikmarkt bereits ab 80 Euro gibt. Ziel des Spiels ist, mithilfe vorgegebener Koordinaten durch die Stadt zu spazieren und am Ende einen „Schatz“ zu finden – einen Behälter, in dem man einen Zettel findet. Dort trägt der Spieler seinen Namen ein, als Beweis, dass er den Schatz geborgen hat. Die Dosen sollen so gut versteckt sein, dass kein Außenstehender sie findet, sagt Geocacher Jörg Bertram. „Trotzdem kommt es vor, dass jemand unvorsichtig handelt. Das ist aber die große Ausnahme.“ Jörg Bertram ist Geschäftsführer der Deutschen Wanderjugend, die das Internetportal geocaching.de unterstützt.

Die Dose, die am Mittwoch den Fehlalarm auslöste, befand sich schon seit Monaten in unmittelbarer Nähe des Lichtenberger Bahnhof. Sie war mit einem Stück Draht an einem Brückengeländer befestigt. Dabei wurden offenbar mehrere wichtige Regeln verletzt, die sich die Geocaching-Szene selbst gegeben hat: Um Missverständnisse zu verhindern, sollen ausschließlich durchsichtige Plastikdosen verwendet werden, am besten mit einem Aufkleber mit der Aufschrift „Ich bin Teil eines weltweiten Spiels.“ Andere gehen noch vorsichtiger vor: Der Spieler, der seinen Cache in unmittelbarer Nähe des Schloss Bellevue versteckte, informierte vorab die Bundespolizei und das zuständige Grünflächenamt. Warum dies in Lichtenberg nicht geschah, ist unklar. „Vielleicht war hier ein Anfänger am Werk“, sagt Bertram. Sollte der Spieler ermittelt werden, könnte ihm die Polizei alle Einsatzkosten in Rechnung stellen. Im Internet diskutieren Berlins Geocacher bereits, ob man in diesem Fall einen Solidaritätsfonds gründen sollte.

Auch in Brandenburg liegen mehrere hundert Caches – unter anderem der älteste Deutschlands, er wurde vor neun Jahren südöstlich von Pätz an einem Waldstück nahe der Bundesstraße 179 versteckt. Sein Name: „First Germany“. Sebastian Leber

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