Berlin : Gepäckkontrollen jetzt auch an Bahnhöfen

Polizei verschärft Sicherheitsvorkehrungen wegen der Bombenfunde Ende Juli im Ruhrgebiet. Videoüberwachung wird ausgedehnt

Jörn Hasselmann

Auch in Berlin müssen sich Bahnreisende jetzt auf Kontrollen ihres Gepäcks durch die Bundespolizei gefasst machen. Nachdem das Bundeskriminalamt am Freitag bekanntgab, dass der Bombenfund in Regionalzügen im Ruhrgebiet Ende Juli wahrscheinlich einen terroristischen Hintergrund hatte, reagierte die Bahn sofort. Bahnvorstand Otto Wiesheu kündigte gestern an, dass die Kontrollen verschärft würden und die Videoüberwachung ausgeweitet werde. Ein Sprecher der für die Berliner Bahnhöfe zuständigen Bundespolizei sagte, dass die Streifen verstärkt würden, Beamte sollen auch in Regionalzügen mitfahren. Die 2300 Beamten, die regulär in Berlin auf Flughäfen und Bahnhöfen tätig seien, würden durch eine Einheit der Brandenburger Bereitschaftspolizei verstärkt. Wiesheu sagte weiter, dass auch Schaffner in den Zügen und das Personal an den Bahnhöfen, die Ordnungsdienste sowie die Reinigungskräfte nochmals angehalten worden seien, besonders wachsam zu sein. Zudem gibt es Durchsagen, auf das eigene Gepäck zu achten und unbeaufsichtigtes zu melden.

Die BVG dagegen reagierte gestern nicht, die interne Gefahrenstufe ist weiterhin „grün“. Eine Sprecherin sagte, dass zunächst keine Erhöhung auf „gelb“ geplant sei, dies würde – wenn – in Absprache mit Innenverwaltung und Polizei geschehen. Nach den Terroranschlägen von New York hatte die BVG vier Gefahrenstufen eingeführt; nach den Londoner Anschlägen hatte die BVG die Stufe eine Zeitlang auf „gelb“ hochgesetzt. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) habe sich am Nachmittag informieren lassen, hieß es.

Bahnvorstand Wiesheu betonte gestern, dass dank der Videoüberwachung auf den Bahnsteigen Aufnahmen von den Attentätern vorlägen, die vom Bundeskriminalamt zur Fahndung verwendet werden. Diese Plakate sollten in der Nacht zu heute auch in Berlin ausgehängt werden. Bei der Deutschen Bahn sind weitaus mehr Kameras im Einsatz als bei der BVG. In Berlin gibt es erst seit April eine Videoaufzeichnung auf Bahnsteigen, nachdem ein junger Mann in einem Bus erstochen worden war. Dadurch war bekannt geworden, dass es zwar Kameras gibt, diese aber aus Datenschutzgründen keine Bilder speichern dürfen. Obwohl sich Innensenator Körting damals mit dem Satz zitieren ließ, „ich habe die BVG ermuntert, nicht länger zu berücksichtigen, was der Datenschutzbeauftragte sagt“, setzte Berlins Landesdatenschützer Alexander Dix durch, dass nur auf drei der neun U-Bahn- Linien die Aufzeichnung „getestet“ werden dürfe. Wie es gestern in der Innenverwaltung hieß, sei der „Bundesdatenschutzbeauftragte offensichtlich weiter als der Berliner“. Die Bahn kündigte die Montage weiterer Kameras an.

Die Polizei schätzt die Gefährdung aber offenbar nicht extrem hoch ein. Sie hat ihren für Bombenentschärfungen einsetzbaren Roboter weiterhin am Flughafen Schönefeld stationiert, eine Verlegung an den zentral gelegenen Hauptbahnhof ist nicht geplant. Der Roboter steht in Schönefeld, weil dort die israelische Fluglinie El-Al startet. Nur während der Fußball-WM stand das Gerät am Hauptbahnhof. Ein Roboter dieses Typs hatte auch eine der im Ruhrgebiet gefundenen Bomben unschädlich gemacht.

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