Berlin : Geplante Mehrzweckhalle: "Es kann nur eine Großarena geben"

Christian Van Lessen Claus Vetter

Wer macht das Rennen um den Bau einer Super-Mehrzweckhalle in Berlin? Die Anschutz-Gruppe um die Eisbären, die jetzt ihren Planungen für eine Halle am Ostbahnhof in Friedrichshain den letzten Schliff gibt? Oder die Unternehmengruppe Banghard, die unter anderem mit den Partnern Siemens und Jokerit in Siemensstadt für den Eishockey-Rivalen Capitals bauen will? Dieses Projekt soll am 12. Januar öffentlich vorgestellt werden. Für zwei große Mehrzweckhallen aber dürfte es in Berlin eng werden. Die Landesbehörden halten es für entscheidend, wer das wirtschaftlich tragfähigere Konzept hat. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" betonte gestern Senatsprecher Michael-Andreas Butz. "Beide Konkurrenten müssen davon ausgehen, dass ausschließlich privat finanziert wird".

Also darf sich vermutlich nur einer Chancen ausrechnen. Beide Konsortien seien renommiert, sicher werde auch entscheidend sein, wer auf dem internationalen Musikparkett erfolgreicher arbeite, um attraktive Veranstaltungen nach Berlin zu bringen, meinte Butz. Eine Bewertung beider Projekte lehnte er ab. Detlef Kornett, Geschäftsführer der Sports Holding des US-Milliardärs und Besitzers der Berliner Eisbären, Philip F. Anschutz, glaubt an eine Entscheidung in spätestens drei Monaten. Bis Ende 2003 will die Anschutz-Gruppe, wie kürzlich berichtet, am Ostbahnhof eine Multifunktionshalle errichtet haben. Allerdings ist das Projekt inzwischen weiter fortgeschritten; die Gruppe verhandelt mit dem Eigner des Geländes gegenüber dem Ostbahnhof, der Deutschen Bahn AG. Laut Kornett liegen die Verkaufsgespräche für das Areal sogar "in den letzten Zügen". Achim Stauß von der Deutschen Bahn bestätigte gestern: "Die Verhandlungen mit Anschutz laufen. Wir wollen da nicht vorgreifen. Wir sind aber an der Entwicklung des Areals interessiert."

Das Gelände liegt an der Mühlenstraße hinter den Mauerresten der East Side Gallery und ist 20 Hektar groß. Laut Stauß benötigt die Halle nicht den gesamten Platz, sondern nur einen Teil des Areals, der Rest sei für "Umfeldentwicklung" vorgesehen.

Auch von politischer Seite steht laut Kornett dem Bau der Halle nicht mehr viel im Wege. "Alle ziehen an einem Strang, auch der Senat", sagte Kornett. Erst vor vier Wochen habe Eisbären-Eigner Philip Anschutz mit dem Regierenden Bürgermeister, Eberhard Diepgen, ein konstruktives Gespräch geführt, berichtete Kornett.

Neu sind die Zahlen des geplanten Investitionsvolumen für die Halle, in der einmal mindestens 15 000 Zuschauer Platz haben sollen. Bislang war nur von 300 Millionen Mark für den Hallenbau die Rede, nun beabsichtigt Anschutz weitere 300 Millionen Mark zu investieren. Das Geld soll in die Entwicklung des umliegenden Areals fließen, für Straßenbau und neue Gebäude um die Arena herum ausgegeben werden. Man wolle in Friedrichshain "einen Magnet ansiedeln", sagt Kornett.

Die Pläne des Eisbären-Eigners nimmt man unterdessen beim Berliner Lokalkonkurrenten des EHC Eisbären, den Capitals, gelassen zur Kenntnis. Die Charlottenburger haben ein eigenes Projekt, wollen in ein paar Jahren in einer geplanten Mehrzweckarena für 20 000 Zuschauer auf dem Firmengelände von Siemens am Spandauer Nonnendamm spielen. Man verfolge das Bauvorhaben der Eisbären "unbeeindruckt" und "aus der Distanz", sagt Joachim Börner, Sprecher des Aufsichtsrates bei den Capitals. Die Finanzierung für die Mehrzweckarena der Capitals sei gesichert, nächstes Jahr sei Baubeginn, versicherte Börner.

Dies wiederum beeindruckt die Anschutz-Gruppe nicht. "Es wird in Berlin nur eine Großarena geben", sagte Kornett. Und da sehe man sich bei den Eisbären im Vorteil. Der Standort am Ostbahnhof sei optimal. "Die Verkehrsanbindung könnte besser nicht sein. Der Bezirk Friedrichshain ist im Vorteil, weil er mitten in Berlin liegt."

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