Geplanter Leinenzwang : Uneinsichtige Hundehalter überfordern die Kiezstreifen

23.11.2011 23:10 UhrVon Eva Kalwa, Christoph Stollowsky
Belle-vue. In vielen Parks laufen Hunde frei herum – dabei gilt in den so genannten geschützten Grünanlagen der Leinenzwang. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Belle-vue. In vielen Parks laufen Hunde frei herum – dabei gilt in den so genannten geschützten Grünanlagen der Leinenzwang. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die geplante Verschärfung des Hundegesetzes löst heftige Diskussionen aus. Dabei sind die Ordnungsämter schon jetzt damit überfordert, die in Parks geltende Leinenpflicht zu kontrollieren.

Die geplanten Vorgaben sind klipp und klar: Generelle Leinenpflicht für jeden Hund in Berlin – mit einer Ausnahme. Macht der Halter zusammen mit dem Tier eine Schulung und erwirbt einen Hundeführerschein, so darf er seinen Liebling frei laufen lassen. So sieht das neue Konzept aus, mit dem Berlins Amtsveterinäre und die rot-schwarze Koalition das jetzige Hundegesetz, wie berichtet, verschärfen wollen. Doch bringt dieses Vorhaben tatsächlich mehr Sicherheit vor gefährlichen Hunden? Hilft es dabei, eine artgerechtere Tierhaltung in der Stadt durchzusetzen? Und lassen sich solche Erfahrungen überhaupt wirksam kontrollieren mit dem wenigen Personal der Ordnungsämter?

Viele Jogger und Spaziergänger sind skeptisch angesichts des amtlichen Versagens in Berlins Grünanlagen.

Dort verkünden Schilder überall die Leinenpflicht. Aber Kati Schmiedinger in Prenzlauer Berg erlebt im Mauerpark die Realität. Eigentlich will sie mit einer halben Stunde Walken vor der Arbeit nur etwas für ihre Fitness und Entspannung tun. „Doch mehrfach bin ich regelrecht geschockt nach Hause gekommen“, erzählt die 32-jährige Grafikerin. Dann nämlich, wenn ihr mal wieder ein freilaufender Hund vor die Füße gelaufen ist. Zweimal wurde Schmiedinger von einem großen braunen Mischlingsrüden angesprungen – beide Male derselbe Hund. Der Besitzer, ein gut angezogener Mann um die 30, habe auch beim zweiten Mal auf ihre wütende Zurufe nicht reagiert.

Solche Erlebnisse sind keine Einzelfälle. Viele Besitzer lassen ihre Hunde auf den Wiesen im Mauerpark frei laufen, nur sehr wenige nutzen die kleine Freilauffläche am Parkeingang. Selbst wer Hunde eigentlich mag, reagiert bald genervt, wenn ihm beim Joggen bedrohlich wirkende Vierbeiner in die Quere kommen. So geht es auch einem Anwohner, der mehrmals die Woche im Volkspark Friedrichshain joggt und dabei regelmäßig freilaufenden großen Hunden begegnet. Irgendwann riss dem 43-Jährigen der Geduldsfaden, und er beschwerte sich beim Leiter des zuständigen Ordnungsamt, Peter Beckers.

Lesen Sie auf Seite 2, wie es andere Bundesländer Berlin bereits vormachen.

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