Geplanter Leinenzwang : Uneinsichtige Hundehalter überfordern die Kiezstreifen
23.11.2011 23:10 Uhr
In seinem ersten Antwortbrief lobte der Stellvertretende Bezirksbürgermeister noch die „kontinuierlichen Kontrollen und Ahndungen der Verstöße“ durch das Ordnungsamt. Erst als der Anwohner antwortete, er habe im Volkspark in 90 Minuten bis zu 18 unangeleinte Hunde wie Schäferhunde, Dobermänner und auch Kampfhunde gezählt, aber in einem Zeitraum von zehn Wochen keinen einzigen Mitarbeiter des Ordnungsamtes gesehen, verwies Beckers auf die eingeschränkten personellen Kapazitäten: Wochentags seinen fünf, am Wochenende nur drei Ordnungsamt-Streifen pro Schicht im gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im Einsatz, daher seien „dem Außendienst gewisse Grenzen gesetzt, den mit Hunden im Zusammenhang stehenden Problematiken durch Dauerpräsenz zu begegnen.“
Marcel Gäding vom Tierschutzverein Berlin und Uwe Schmidt vom Verein für das Deutsche Hundewesen Berlin/Brandenburg (VDH) sind aber nun optimistisch, dass ein überarbeitetes Hundegesetz „etliches zum Besseren wenden kann“. Es geht ihnen darum, die Hundehalter „wesentlich stärker in die Verantwortung zu nehmen“: Zugunsten eines besseren Schutzes der Bevölkerung, aber auch zugunsten von mehr Sicherheit für die Tiere und ihre Halter – sowie im Sinne des Tierschutzes. Gäding: „Wenn ein Halter nur noch mit einer nachzuweisenden Prüfung sein Tier frei laufen lassen darf, übt das einen erheblich stärkeren moralisch-öffentlichen Druck aus als die bisherigen Regelungen.“
Niedersachsen mache es Berlin bereits vor, und Hessen sei gleichfalls dabei, sein Hundegesetz zu ändern. Dabei geht Niedersachsen noch schärfer vor, als es in Berlin erwogen wird. Nach dem im Sommer 2011 verabschiedeten Hundegesetz wird Druck nicht über die Leinenpflicht ausgeübt, sondern über die Erlaubnis, sich einen Vierbeiner zu halten. Wer sich ab 2013 einen Hund anschaffen will, muss mit dem Tier eine zertifizierte Hundeschule besuchen. Andernfalls wird ihm die Hundehaltung untersagt.
Hessen verfolgt einen ähnlichen Weg und hat zugleich – wie Niedersachsen – die Rasseliste für gefährliche Hunde abgeschafft. Stattdessen müssen Hunde ab einer bestimmten Größe generell einem zugelassenen Hundetrainer oder einem Amtsveterinär vorgestellt und individuell beurteilt werden. Diese Alternative fordern Berlins Hundevereine und Tierschützer auch für Berlin. Die derzeitige Kampfhundeliste kritisieren sie als „Augenwischerei“. Marcel Gäding sagt: „Die Bissattacken haben dadurch kaum abgenommen. In jeder Rasse gibt es friedliche und aggressive Tiere. Es bringt nicht, bestimmte Rassen pauschal zu verurteilen.“












