Berlin : Geplatzte Blüten-Träume

Werner Schmidt

Die Handschellen klickten, als 700 falsche 500-Markscheine den Besitzer wechseln sollten. Bei der Übergabe der von der Kripo als "sehr gut" bezeichneten Blüten am vergangenen Dienstag vor dem Schloss Charlottenburg wurden drei Bulgaren festgenommen, über den Käufer schweigt die Polizei. Vermutlich liefen die Täter in eine von der Polizei gestellte Falle. Für die Fälschungen im Nennwert von 350 000 Mark wollten die 32, 33 und 46 Jahre alten Bulgaren rund 120 000 echte Mark, aber der Deal platzte, noch bevor er richtig begonnen hatte. Jetzt sitzen die gescheiterten Geld-Verkäufer in Untersuchungshaft.

Die Kripo ist sicher, dass die aufwendig hergestellten "Blüten" aus Bulgarien stammen und hier in den Geschäften vor allem während des hektischen Weihnachtsgeschäftes "problemlos angenommen" worden wären. Etwa 20 Scheine, die vermutlich aus derselben bisher nicht bekannten Fälscherwerkstatt stammen, sind in den vergangen drei Wochen in der Stadt bereits aufgetaucht. Bei den Fälschungen handelt es sich um nachbearbeitete Farbkopien. So wurden die meisten der bei echten Noten vorhandenen Sicherheitsmerkmale, die unter UV-Licht erkennbar sind, aufgetragen. Auch an den Sicherheitsstreifen dachten die Fälscher, selbst das Wasserzeichen wirkt auf den ersten Blick durchaus echt. Erkennbar sind die Fälschungen am fehlenden "Balkenwasserzeichen", das quer zum Sicherheitsstreifen läuft. Außerdem leuchtet die Nummer des Geldscheins unter UV-Licht nicht auf.

In der Wohnung der drei Bulgaren in Kreuzberg fand die Polizei neben einem ebenfalls gefälschten griechischen Pass und Führerschein noch 18 Banknoten im Nennwert von jeweils 100 Mark. Die Qualität dieser Fälschungen war aber deutlich geringer als die der 500-Mark-Scheine.

Die Zahl der Falschgeldfälle liegt in diesem Jahr mit über 2500 Delikten deutlich über der des Vorjahres mit rund 1900. Die Polizei stellte dieses Jahr 3427 falsche Banknoten und 3049 gefälschte Münzen, vorwiegend 5-Mark-Stücke, im Nennwert von über 840 000 Mark sicher.

Entgegen den Erwartungen der Sicherheitsexperten bringen die Fälscher kurz vor der Einführung des Euro aber keine gelagerten Altbestände in Umlauf, sondern es tauchen "überwiegend neue, noch unbekannte Fälschungen" auf, teilten die Falschgeldexperten vom Landeskriminalamt gestern mit. Es wird aber nicht ausgeschlossen, dass besonders die "heiße Phase" der Währungsumstellung in den nächsten Wochen dazu genutzt werden soll, mit falschem Geld echte Schnitte zu machen.

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