• Geplatzte Eröffnung des BER: Der Willy-Brandt-Flughafen startete bereits auf holpriger Piste

Geplatzte Eröffnung des BER : Der Willy-Brandt-Flughafen startete bereits auf holpriger Piste

Planungspannen, Pleiten, Proteste und Gerichtsschlappen: Der Bau des neuen Hauptstadtflughafens war von Beginn an ein Hindernislauf. Eine Chronik

Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Alexander Obst/Marion Schmieding/Berliner Flughäfen
25.11.2011 12:09Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.

Die Verschiebung des Eröffnungstermins für den Großflughafen „Willy Brandt“ in Schönefeld setzt den vorläufigen Schlusspunkt einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei der Planung des neuen Hauptstadt-Airports. Umstritten war bereits die Standortentscheidung. Obwohl eine Mehrheit der Fachleute den Standort Sperenberg 70 Kilometer südlich von Berlin favorisierte, fassen die Länder Berlin und Brandenburg im Mai 1996 gemeinsam mit dem Bund den „Konsensbeschluss“ über den Bau des Hauptstadtflughafens im Süden des ehemaligen DDR-Zentralflughafens Schönefeld.

Der Senat bittet daraufhin um Bundesunterstützung für eine Verlängerung der U-Bahnlinie 7 von Rudow zum geplanten Airport. Die Pläne werden später verworfen. Auch aus den Plänen, vom geplanten neuen Berliner Hauptbahnhof eine Transrapid-Verbindung nach Schönefeld zu bauen, wird nichts.

Das ursprüngliche Vorhaben, den Flughafen vollständig von privater Hand erbauen und später betreiben zu lassen, scheiterte ebenfalls bereits im ersten Anlauf. Das Brandenburgische Oberlandesgericht kassiert den Vergabebescheid an ein Konsortium um den Baukonzern Hochtief wegen Verfahrensfehlern.

Neue Investoren bewerben sich und schließen 2002 eine Grundsatzvereinbarung mit den Ländern. Es bleibt aber zunächst bei den Plänen, den neuen Flughafen vollständig privatisiert zu bauen. Aber auch das zerschlägt sich 2003, weil die neuen Investoren nach Ansicht der damaligen Gesellschafter finanzielle Risiken auf Bund und Länder abwälzen wollen. Daher wird der Flughafen in öffentlicher Trägerschaft gebaut. Eventuelle Betriebsdefizite bleiben damit bei der öffentlichen Hand. Schon zu diesem Zeitpunkt ist der ursprünglich anvisierte Eröffnungstermin 2008 nicht mehr zu halten.

Der Willy-Brandt-Flughafen ist nicht das erste Großprojekt, bei dem sich Berlin schwer tut. Sehen Sie hier eine Galerie mit anderen prominenten Beispielen:

Berlins Problemzonen
Stahldrähte ragen aus dem Beton, im Sommer 2010 begann die Sanierung der Staatsoper. Erst im Rahmen eines Hauptstadtfinanzierungsvertrags verpflichtete sich der Bund 2007, für die Grundsanierung der Staatsoper 200 Millionen Euro auszugeben.Weitere Bilder anzeigen
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Zu den finanziellen Risiken der Gesellschafter kommen rasch juristische Probleme. Im April 2005 verhängt das Bundesverwaltungsgericht einen vorläufigen Baustopp, nachdem fast 4000 Flughafengegner Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereicht haben. Im März 2006 genehmigen die Richter dann den Ausbau Schönefelds unter strengen Nachtflugauflagen. Am 30. Oktober 2008 wird der Flughafen Tempelhof geschlossen, nachdem ein Volksentscheid für den Weiterbetrieb am notwendigen Quorum gescheitert ist.

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