Berlin : Geprüft, besprochen, vertagt

Wie lange es bis zur Baugenehmigung dauern kann, zeigt ein Beispiel aus Marienfelde

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Seit mehr als einem Jahr gibt es Streit um einen geplanten Ausbau des kleinen Einkaufszentrums „Südmeile“ an der Buckower Chaussee in Marienfelde. Es nutzte bisher nichts, dass alle Centermieter an einem Strang ziehen: Sowohl die kleinen Läden als auch die Filialisten Aldi, Makro Markt und McDonald’s fordern einen Anbau für einen Kaufland-Lebensmittelmarkt – denn ein neuer großer „Ankermieter“ wird dringend gebraucht. Bisher aber scheitert das Vorhaben an der Stadtentwicklungsstadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Elisabeth Ziemer (Grüne), und der Senatsbauverwaltung.

Ziemer argumentiert, die „Südmeile“ liege planungsrechtlich im Industriegebiet: „Eigentlich hätte das Center nie gebaut werden dürfen.“ Nur eine Sondergenehmigung habe das Projekt vor mehr als 15 Jahren ermöglicht. Das Baurecht ist aber nicht der Hauptgrund für die Auseinandersetzung. Vielmehr will die Stadträtin mittelständische Läden in Einkaufsgegenden wie der Bahnhofstraße in Lichtenrade und dem Tempelhofer Damm vor der Konkurrenz schützen.

Dies empört die Centermieter, denn auch die meisten von ihnen sind Mittelständler – darunter ein Zeitungshändler, ein Friseur, eine Schneiderei und eine Boutique. Seit dem Auszug eines Minimal-Supermarkts im Oktober 2004 habe sich die „Kundenfrequenz dramatisch verschlechtert“, beklagen die Händler in einem offenen Brief.

Kaufland will zwar einziehen, hält die 2300 Quadratmeter Verkaufsfläche des ehemaligen Supermarkts jedoch für zu gering. So sieht es auch Vorstandsmitglied Wolfgang Kasper vom Centerbetreiber DIBAG Industriebau AG: „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Man brauche einen Publikumsmagneten, um Kunden aus ganz Tempelhof und Lichterfelde anzulocken.

Um Platz zu schaffen, soll ein Parkplatz bebaut werden. Am Mittwoch gab es einen Ortstermin mit SPD-Bezirksbürgermeister Ekkehard Band, Stadträtin Ziemer und DIBAG-Vorstand Kasper. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK), der Handelsverband, die Stadtentwicklungsbehörde und die Zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle für Unternehmen (ZAK) waren vertreten. Eine Lösung gibt es trotzdem noch nicht. Laut Jochen Brückmann von der IHK soll das Center bis zu einem Folgetreffen in einem Monat belegen, warum der Anbau unverzichtbar sei.

Die DIBAG stellte gestern auf Nachfrage klar, dass ein neuer Großmieter in jedem Fall benötigt werde – notfalls zu Lasten der bisherigen Mieter. Die Planungsalternative sei ein SB-Warenhaus im Bestandsgebäude, das alle übrigen Läden verdrängen würde. Dies sei aber nicht das Ziel, betonte Kasper: „Wir wollen die Struktur ja so erhalten, wie sie ist.“ CD

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