GERÄTECHECK : Buchstabenkasten für die Sprachschule

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Was ist das für ein Gerät?

Ein Buchstabenkasten. In ihm befinden sich hölzerne Plättchen, in die je ein Buchstabe des lateinischen Alphabets eingraviert ist. Aber auch Diphtonge der Deutschen Sprache – also Doppellaute aus zwei Vokalen – wie „äu“, „ei“ oder „au“, Sonderzeichen wie das „ß“ und Laute wie das „sch“ enthält der Kasten.

Wozu braucht man das Gerät?

Millionen Nervenzellen können bei Schlaganfällen, Gehirnblutungen, Hirntumoren oder Schädel-Hirn-Traumata absterben. Die neurologischen Defizite beeinträchtigen den Betroffenen kognitiv – vieles müssen sie wie Kinder neu lernen. Ist die linke Hirnhälfte, in der auch das Sprachzentrum liegt, geschädigt, leidet der Patient nicht selten unter einer so genannten Aphasie. Diese „Sprachlosigkeit“ betrifft nicht nur das Sprechen, sondern auch das Verstehen, Schreiben und Lesen. Ziel der neurologischen Rehabilitation ist es, dem Patienten wieder die Kommunikation zu ermöglichen. Dazu muss das geschädigte Sprachzentrum neu aufgebaut werden. „Aussehen und Aussprache eines Buchstaben speichern unsere Nervenzellen“, sagt Michael Jöbges, Chefarzt der Neurologie der Brandenburg Klinik Bernau. Und diese Verknüpfung gelte es zu reaktivieren oder neu herzustellen – dabei kann der Buchstabenkasten helfen.

Wie setzt man das Gerät in der Reha ein?

Meist beginne die Logopädin der Klinik mit dem Namen des Patienten. Denn diesen wieder sprechen und schreiben zu können, läge den Betroffen besonders am Herzen. Die Buchstabenplättchen unterstützen den Patienten dabei, seine „innere Sprache“wie es die Therapeutin ausdrückt, zu finden. Gelingt es ihm nicht, ein Wort niederzuschreiben oder auszusprechen, kann der Betroffene es Buchstabe für Buchstabe mit den Plättchen legen. Bei fehlenden oder verdrehten Lauten hilft die Logopädin nach. Fortgeschrittenen jubelt sie schon mal einen Fehler in ein gelegtes Wort unter: Diesen zu entdecken, rege die Nervenzellen an und verschaffe ein Erfolgserlebnis. „Wir wollen den Patienten nicht frustrieren, sondern motivieren“, sagt Jöbges. Nur so könne eine Therapie erfolgreich sein. Deshalb legt die Klinik auch großen Wert darauf, den sozialen Hintergrund des Rehabilitanden zu kennen, um die Sprachschule an seinem Alltag zu orientieren. „Vielen ist es wichtig, wieder einen Kaffee bestellen können. Das üben wir mit ihnen.“ fp

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