Gerhard Anger kandidiert : Ex-Chef der Piraten plant das Comeback

Diese Nachricht dürfte viele Piraten erleichtern: Gerhard Anger, der im Februar ausgebrannt hinwarf, will zurück in den Landesvorstand. Noch im Juni sagte er, er stehe kurz vor dem Parteiaustritt.

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Gerhard Anger - bald zurück im Landesvorstand der Berliner Piraten?
Gerhard Anger - bald zurück im Landesvorstand der Berliner Piraten?Foto: dpa

Diese Nachricht dürfte Erleichterung hervorrufen bei den Berliner Piraten, die zuletzt mit wachsender Verzweiflung nach Personal für den neu zu wählenden Landesvorstand fahndeten: Es zeichnet sich eine Rückkehr von Gerhard Anger ab, der schon einmal Vorsitzender des Landesverbandes war, auf einem Parteitag im Februar aber überraschend seine Kandidatur zur Wiederwahl zurückgezogen hatte. Am späten Dienstagabend twitterte Anger: „Ja, ich werde für den nächsten Landesvorstand kandidieren.“ Am Mittwoch wurde klar: Anger kandidiert für den Spitzenposten - als Vorsitzender des Landesverbands.

Seinen Rückzug im Februar hatte Anger mit der emotionalen Belastung durch das Amt begründet, Hintergrund war damals auch eine Affäre um Mobbingvorwürfe im Landesverband. „Ich ertrage es nicht länger“, sagte Anger und ließ die Piraten auf dem Landesparteitag in Schockstarre zurück. Sie wählten Hartmut Semken zu seinem Nachfolger, der aber schon im Mai nach einer Serie von Skandälchen zurücktrat. Anger fiel im Juni noch einmal durch massive Kritik an der Arbeit der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus auf: Er sei „immens enttäuscht“ und stehe kurz vor dem Parteiaustritt.

Nun will er selbst wieder in vorderster Reihe dazu beitragen, dass die Piraten ihr Formtief überwinden. Parteiinterner Unterstützung kann sich der beliebte Anger aller Voraussicht nach sicher sein. Seine Verdienste um den Landesverband, dessen Vorsitzender er im Berliner Wahlkampf war, gelten als enorm, die massive Kritik an der Fraktion haben viele Piraten ihm nachgesehen, wenn nicht sogar als notwendigen Weckruf begrüßt.

Auf gemischtes Echo stößt unterdessen der Schritt der Piratin Katja Dathe, die am Montag ihr Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte niedergelegt hatte und sagte, dieses „Bürokratiemonster“ gehöre abgeschafft. Martin Delius, Mitglied des Abgeordnetenhauses, hatte bereits am Montag getwittert, Dathe habe „Courage“: „Ich verbeuge mich tief.“ Fraktionskollege Gerwald Claus-Brunner tat dagegen am Dienstag per Twitter kund, er halte Dathes Rückzug für „Wählerverarschung“ und parteischädigend – und halte es für „bezeichnend, wie alle noch dazu jubeln“. Dathe hat unterdessen neue Pläne geschmiedet: Auch sie kandidiert bei der Wahl zum Landesvorstand, dem sie, gemeinsam mit Anger, schon einmal angehört hat.

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