• Gerichtsprozess wegen gefälschter Bahntickets: 33-Jähriger gesteht Ticketbetrug im großen Stil

Gerichtsprozess wegen gefälschter Bahntickets : 33-Jähriger gesteht Ticketbetrug im großen Stil

Er verkaufte angebliche Schnäppchen der Deutschen Bahn in Internetreiseportalen. Ein 33-Jähriger gab vor Gericht eine Serie von insgesamt 1686 Taten zu.

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Foto: Arno Burgi/dpa

Thiery I. konnte es nicht lassen. Kaum hatte er mit einer Bewährungsstrafe noch eine Chance bekommen, setzte er seinen Schwindel mit Bahnfahrkarten fort – zuletzt von einem thailändischen Ferienparadies aus. Wegen Betruges in 1686 Fällen steht der 33-Jährige seit Dienstag vor dem Landgericht. Die Bahn geht Angaben zufolge in dem Komplex von mehr als 700.000 Euro Schaden aus. In der Anklage werden 291.000 Euro genannt.

Seine Masche lief über Daten fremder Kreditkarten. I. gelangte vermutlich über dunkle Seiten des Internets, das sogenannte Darknet, an gestohlene Informationen. Er soll ein ausgeklügeltes System entwickelt haben. Um nicht entdeckt zu werden, habe er nicht nur ständig seine Kontaktadressen gewechselt, sondern auch mit mehr als 30 verschiedenen Bankkonten gearbeitet und etlichen „Finanzagenten“, die ihm Konten zur Verfügung stellten. Und er setzte sich im März 2014 nach Thailand ab. Für ihn ein bekanntes Terrain: Bereits 2011 soll er von Phuket aus kriminelle Ticket-Geschäfte betrieben haben.

„Der Kundenkreis war quer durch die Gesellschaft“, so der Ankläger

Er verkaufte angebliche Schnäppchen, die in Internet-Reiseportalen auftauchten. 30 Euro die Fahrt, 60 Euro mit Rückreise. Von Berlin nach Köln, von München nach Hamburg. „Der Kundenkreis war quer durch die Gesellschaft“, so der Ankläger. Dass die Käufer illegale Tickets vermuteten, nehmen die Ermittler nicht an: „Wir gehen von Gutgläubigkeit aus.“ Der Angeklagte erzählte etwa, die Billig-Angebote seien Restposten aus Firmenkontingenten. Hatten Kunden ihre Wünsche mitgeteilt, kaufte I. mit gestohlenen Daten auf der Onlineseite der Deutschen Bahn die bestellten Tickets.

Übers Netz liefen seine Betrügereien, im Netz wurde er entdeckt. Einen Hinweis gab es Anfang 2013: „Es gibt wieder jemanden, der mit Tickets betrügt.“ Intensiv wurde ermittelt. Ein polnisches Konto wurde als eines ausgemacht, das der Täter benutzte. Schließlich gab es ein Foto beim Geldabheben an einem Automaten. Der Abgebildete war für Fahnder ein Bekannter: Thiery I. aus Solingen. Doch er konnte sich nach Thailand absetzen. Im September 2015 wurde er dort gefasst.

Zwei Anwälte versuchen, die Strafe gering zu halten. Das Gericht sicherte maximal sechs Jahre Haft im Falle eines Geständnisses zu. Nach einer vierstündigen Prozesspause nahm I. gestern an und gestand pauschal.

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