Gerichtstermin : Keine Aussage im Fall Kristina Hani

Es wird zusehends schwieriger, dem Angeklagten Ali K. versuchten Mord an Kristina Hani durch Unterlassen nachzuweisen. Ein wichtiger Zeuge der Anklage schwieg vor Gericht.

Kristina H.
Kristina Hani. -Foto: ddp

Die Beweislage im Prozess um den Drogentod der 14-jährigen Schülerin Kristina Hani gegen den 18-jährigen Ali K. wird offenbar immer schwieriger. Ein Jugendlicher, der als wichtiger Zeuge der Anklage gilt, verweigerte gestern die Aussage. Er habe sich auf den Paragrafen 55 der Strafprozessordnung berufen, bestätigte Gerichtssprecherin Iris Berger. Demnach kann ein Zeuge die Auskunft auf solche Fragen verweigern, durch deren Beantwortung er sich selbst belasten könnte.

Ali K. soll sich während einer Untersuchungshaft wegen Drogenhandels auf der U-Bahn-Linie 8 gegenüber dem Zeugen selbst belastet haben. Was damalige Mithäftlinge der Polizei berichteten, wurde zur Stütze im Fall Kristina Hani. Der damals 17-jährige K. soll mehr als ein halbes Jahr nach dem Tod der Schülerin erzählt haben, wie er Kristina das Heroin gab, wie es ihr immer schlechter ging und er tatenlos daneben saß, weil er nicht als Dealer auffliegen wollte.

Der staatenlose Palästinenser muss sich nun wegen versuchten Mordes durch Unterlassen vor einer Jugendstrafkammer verantworten. Die Beweislage ist aber dürftig. Außer den Berichten der Häftlinge gibt es nichts – keine belastenden DNA-Spuren, keine Tatortzeugen. Nicht einmal die Wohnung, in der die Drogenparty mit Kristina stattgefunden haben soll, konnte ermittelt werden. Schwieg der Zeuge, weil er womöglich aus Wichtigtuerei etwas Falsches zu Protokoll gab? Oder spielte Angst vor Rache eine Rolle? Ob die Richter den Jugendlichen noch einmal befragen wollen, blieb zunächst offen.

Ali K. soll der Gymnasiastin eine tödliche Dosis Heroin gegeben haben. Ihre Leiche war am 16. April letzten Jahres in einem ausgebrannten Koffer in der Grünanlage Thomashöhe in Neukölln gefunden worden. Erst eine Woche später konnte die Identität der Toten festgestellt werden. Fast sieben Monate vergingen, bis der mutmaßliche Täter gefasst wurde. Ali K. bestreite die Vorwürfe energisch, sagte einer seiner Verteidiger. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. K.G.

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