Gerichtsurteil : Häftling hat Mitgefangene erpresst

Alle Knochen werde er ihm brechen, hat er gedroht. Ein im Gefängnis Tegel einsitzender Koch erpresste seine Mithäftlinge. 200 Euro wollte der 34-Jährige von seinem letzten Opfer haben. Doch das setzte sich zur Wehr und erstattete Anzeige.

BerlinDer mutmaßliche Anführer einer in der Haftanstalt Tegel agierenden Strafgefangenen-Bande ist am Montag wegen versuchter räuberischer Erpressung zu weiteren neun Monaten Haft verurteilt worden. Der wegen Totschlags einsitzende 34-jährige Mann wurde schuldig gesprochen, im Dezember vergangenen Jahres im Gefängnis einen Mithäftling erpresst zu haben. Dabei soll es um die Summe von 200 Euro gegangen sein.

Dreimal hatte er den 51-jährigen Mithäftling innerhalb einer Woche in dessen Zelle aufgesucht. Dann drohte er ihm, "die Knochen zu brechen", wenn er nicht zahlen sollte. Für den Fall einer Verlegung habe der Angeklagte geäußert, er habe "seine Leute überall", hieß es in der Anklage. Zur Zahlung des Geldes kam es nicht, weil der erpresste Häftling Anzeige erstattete.

Opfer hat er psychisch unter Druck gesetzt

Neben seinem Geständnis hielt das Gericht dem 34-Jährigen zugute, dass er den Mitgefangenen "zwar psychisch unter Druck gesetzt, aber nicht körperlich attackiert hatte".

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte "nach dem Vorbild russischer Strafanstalten" eine Bande in Tegel anführt, die von Mitgefangenen Geld erpresst, um eine "Kasse zu füllen" und eigenen Ausgaben zu finanzieren. "Sie sind kein Polizist in der Haftanstalt", mahnte der Richter und riet dem Angeklagten, "endlich in Ruhe die Haftstrafe abzusitzen".

Der Täter ist Koch und  verbüßt seit Januar 2006 eine Haftstrafe wegen Totschlags von neuneinhalb Jahren. Er hatte im März 2005 ein 22-jähriges Model in Spandau mit 75 Messerstichen getötet. (bai/ddp)

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