Berlin : Gerkan wettert weiter

Trotz angedrohter Klage: Architekt gibt Bahn Schuld für Hauptbahnhofschäden

Matthias Oloew

Meinhard von Gerkan ist guter Dinge. „Es ist ein Glück, wenn man einen großen Bahnhof bauen darf“, sagte der Architekt am Sonntagnachmittag. Die Ankündigung der Bahn AG, eine Unterlassungsklage gegen ihn einzureichen, schreckt ihn nicht. „Ich weiß bisher davon nur aus den Medien, und weil mich Freunde angerufen haben“, erklärt von Gerkan. „Die Unterlassungsklage wurde mir noch nicht zugestellt.“ Also redet er munter weiter – zum Nachteil seines Bauherrn am Berliner Hauptbahnhof.

Warum der Stahlträger im Januar aus der Fassade des Hauptbahnhofs abgestürzt ist, wisse er ziemlich genau: „Die von uns geplanten Halterungen haben nur bei diesem einen Träger gefehlt.“ Auf den Zeichnungen seines Büros seien sie eingeplant, genauso wie bei den über hundert anderen Trägern an der Fassade auch. Warum gerade an dieser Strebe die Halterungen vergessen oder weggelassen wurden, kann sich der Architekt jedoch nicht erklären. Er wisse von der Korrespondenz der Bahn mit der Herstellerfirma, worin der Verzicht auf die Haltebleche festgelegt worden sei. Damit sei klar: Die Verantwortung für den Unfall trage ganz allein die Bahn.

Das sei auch bei der Kostenexplosion so. 500 Millionen Euro Baukosten waren veranschlagt, 1,2 Milliarden hat der Bau des Bahnhofs schließlich gekostet. „Die Summe kann ich mir nicht annähernd erklären.“ Eine Verantwortung dafür lehnt er ab, denn: „Wir haben während der Bauphase keine einzige Rechnung gesehen.“ Das Kostenmanagement habe die Bahn ganz alleine schultern wollen.

Von Gerkan plauderte am Rande einer Berlinale-Veranstaltung zum Thema „Architektur und Film“, zu der die Projektentwicklungsgesellschaft Orco anlässlich der Berlinale eingeladen hatte. Orco will die Gewerbesiedlungsgesellschaft kaufen, hat das Haus Cumberland und die ehemaligen Wertheim-Grundstücke am Leipziger Platz übernommen. Eine Bebauung dieses Areals könnte von Gerkan als Aufgabe reizen. „Vorausgesetzt, es entsteht keines dieser üblichen Kontorhäuser mit Wohnungen obendrauf“, sagt Gerkan. In Berlin will er weiter mitmischen: „Ich bin voll dabei, auch wenn ich mich bisschen über den Bahnhof ärgern muss.“

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