GERKANS BUCH : „Kollektiver Realitätsverlust“

Seit Monaten wird über den Inhalt spekuliert. Einmal wurde die Veröffentlichung verschoben. Jetzt ist sie da – die Abrechnung mit der BER-Flughafengesellschaft, die der weltbekannte Architekt und Flughafen-Tegel-Erbauer Meinhard von Gerkan, 78, dann lieber doch noch nicht im Buchhandel gesehen hätte. Doch dort soll „Black Box BER. Wie Deutschland seine Zukunft verspielt“ ab Freitag zu bekommen sein, der Tagesspiegel hat es vorab gelesen. Der Architekt wollte noch ein versöhnliches Kapitel zum neuen BER-Chef Hartmut Mehdorn zufügen, der Gerkan-Mitarbeiter nach dem Rauswurf infolge der geplatzten BER-Eröffnung zurückholte. Doch der Verlag spielte nicht mit. Gerkan nennt Mehdorns Vorgänger Rainer Schwarz „dialogresistent“. Den Gesellschaftern Bund, Berlin und Brandenburg wirft er kollektiven Realitätsverlust, Fahrlässigkeit, Ignoranz gegenüber Warnungen, Verschleierung realer Kosten und Schwarzbauten vor. 487 Planänderungen und Anordnung gab es per „Ordre du Mufti“, das hat Umplanungen, Zeitverzug und höhere Kosten verursacht. Eröffnungstermine wurden „nach dem politischen Kalender gesetzt“. Gerkan schreibt: „Wir hätten noch mehr Widerstand leisten müssen.“ Ansonsten ist es ein Lamento über das Sein der Architekten, geplagt von Ökonomisierung, Juristen, Politikern, Bankern, auf der Baustelle eingeengt von immer mehr Fachleuten und Vorschriften, „gefallene Mädchen“, verkommen vom Gestalter zum „Rädchen im Getriebe“. Und der BER nur ein Beispiel für Großprojekte: Bonns Schürmannbau, Stuttgart 21, Hamburgs Elbphilharmonie. Gerkans Sicht zur „selbst gemachten Katastrophe“ am BER ist bekannt. Jetzt noch einmal nachzulesen in einem großem Rundumschlag. axf

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