Berlin : Gerüchte statt Gerüche – weniger Griller in den Parks

Viele Türken glauben an ein generelles Verbot im Grünen Dafür bleiben im Mauerpark die Flaschen auf der Wiese liegen

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Der türkische Familienvater weiß, weshalb die Luft im Tiergarten plötzlich so klar ist. „Viele denken, Grillen ist jetzt verboten“, sagt der Mann, während er etwa 20 Hähnchenschlegel auf dem Grill wendet. Er habe es in zwei türkischen Zeitungen gelesen. Ein paar Meter weiter sitzt eine Familie, die erst gar keinen Grill mitgebracht hat und sich mit kalter Küche begnügt. Einer der Männer sagt, das türkische Fernsehen habe das vermeintliche Verbot verbreitet. Wegen Waldbrandgefahr. „Aber stimmt nicht, oder?“, fragt er und schaut sich um. Es raucht und brutzelt fröhlich um ihn herum. Wer jedoch den üblichen Grillbetrieb kennt, fand es dieses Wochenende deutlich leerer als sonst. Sater Cinar, Sprecher des Türkischen Bundes, glaubt nicht, dass nur Gerüchte und Ferien das neue Bild prägen: „Ich habe den Eindruck, dass die Türken durch die Diskussion der letzten Zeit beim Grillen vorsichtiger geworden sind.“

Von einem Grillverbot halten die zuständigen Ämter trotz ausgedörrter Wiesen nichts. „Außerdem haben wir den Eindruck, dass bei dieser Hitze sowieso weniger gegrillt wird“, sagt Hilmar Schädel, Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächen in FriedrichshainKreuzberg. Im Mauerpark und am Urbanhafen schaffen es die Bier- und Sektflaschen gar nicht erst bis zum Mülleimer. Sie markieren in den Parks die Stelle, wo am Vorabend eine Party stattgefunden hat. Auch der Einweg-Grill „Instant Barbecue“ aus Stanniol für 2,99 Euro erfreut sich derzeit großer Beliebtheit. Er steckt überall in Park-Mülleimern, auch dort, wo das Grillen grundsätzlich verboten ist. Ein Blick auf die Wiesenränder im Tiergarten oder Görlitzer Park verrät die Achtlosigkeit, mit der manche Griller ihre Asche entsorgen: Das letzte Bier drüber und ab damit in die Büsche. Unter diesen Umständen findet Schädel die Klagen über verdreckte Parks merkwürdig: „Die Leute beklagen sich über den Dreck, den sie selbst dorthin tragen. Wieso nehmen sie ihn nicht einfach wieder mit?“ tis/suz

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