Berlin : Geschäft mit dem Leid: Warnung vor Umfragen

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Vor allem Berliner Firmen bekamen in dieser Woche ein Fax aus den USA zugeschickt, mit dem eine angebliche "European Poll Commission" (Europäische Kommission für Umfragen) Geschäfte machen will. Der Empfänger wird gebeten, sich bei einer "Umfrage" zu beteiligen. Die neueste - perfide - Frage: "Sind Sie für ein Vorgehen mit aller militärischen Macht gegen den/die Staaten und Hintermänner, die für die Terroranschläge verantwortlich sind?" Das Zurückschicken kostet allerdings 3,63 Mark pro Minute - "ein kleiner Preis für mehr Demokratie" höhnt es im Kleingedruckten. Und weiter: "Unsere Arbeit ist sehr kostenaufwendig. Ein Teil der Kosten wird uns durch die Gebühr der Rückfaxe ersetzt."

Vor Wochen war die Firma International Research Corporation, wie berichtet, mit einer Umfrage über die Rolle der PDS in der Berliner Politik unangenehm aufgefalllen. Immer wird auf dem Fax versprochen, die Ergebnisse der "Umfrage" hochrangigen Politikern vorzulegen, von US-Präsident Bush bis Kanzler Schröder. Die Berliner Verbraucherzentrale kritisierte die Fax-Umfrage als reine Geschäftemacherei mit dem Unglück anderer Menschen.

Aus dem Internetangebot der Firma war gestern zu entnehmen, dass der Provider die bisherige 0190-Nummer der Firma IRC am Donnerstagabend gesperrt habe. Gründe nennt IRC nicht; offensichtlich müssen sich Empfänger über die Umfrage beschwert haben. Zu erreichen ist die Firma IRC nicht. Unter einer angegebenen Telefonnummer im US-Staat Wyoming meldet sich ein automatischer Fax-Service, die zweite Nummer ist nicht vergeben.

Telekom-Sprecher Jürgen Will sagte, dass auch die Telekom bei einer Beschwerde von der Verbraucherzentrale eine 0190-Nummer abschalten würde. Die meisten 0190-Nummern mit Sexangeboten und anderer Geldschneiderei werden jedoch nicht von der Telekom, sondern von anderen Providern angeboten.

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