Geschäfte : Winterschlussverkauf beginnt entspannt

Ganz ohne großen Kundenansturm hat der Winterschlussverkauf begonnen. Dabei ist die warme Kleidung stark reduziert.

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Alles muss raus. Doch der Schlussverkauf begann schleppend. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auf etwa zwanzig grellrote Sale-Schilder kommt eine Kundin. Die sucht sich aus den vielen Sonderangeboten auf dem Kleiderständer ganz entspannt einen Pullover aus und weiß eigentlich gar nicht, dass heute ein besonderer Tag ist. „Winterschlussverkauf?“, fragt Anne-Liese Lumann und schüttelt den Kopf. „Nein, ich arbeite in der Nähe und mache nur meine monatliche Einkaufsrunde“, sagt die Friedrichshainerin.

Wie hier bei C & A am Alexanderplatz sieht es an diesem Montagvormittag in den meisten anderen Berliner Bekleidungsgeschäften aus: Ob in den Potsdamer Platz Arkaden oder im Alexa, ob in den Filialen von Esprit, Zara, S. Oliver oder H & M – überall herrscht, um im Bild zu bleiben, tote Hose. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich am Morgen des ersten Schlussverkaufstages vor den Türen stundenlang zahllose Schnäppchenjäger drängelten, um unter kräftigem Ellbogeneinsatz bloß die Ersten an den Wühltischen zu sein. Heute fehlen sowohl die Kunden im Kaufrausch als auch die überquellenden Grabbeltische – fast alles hängt ordentlich an Ständern.

„Solche Bilder aus den alten Tagen des Winterschlussverkaufs sind tatsächlich nur noch nostalgische Erinnerung“, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Das liege vor allem daran, dass die meisten Geschäfte bereits direkt nach Weihnachten begännen, Kleidung zu reduzieren, und nun ihr Pulver bereits verschossen hätten. „Allerdings glaube ich, dass der Schlussverkauf noch mal anziehen wird“, sagt Busch-Petersen.

Angesichts der anhaltend kalten Temperaturen ist das gut vorstellbar, sind doch gerade dicke Wintersachen bis zu 70 Prozent reduziert und zum Beispiel zwei Herren-Fleecepullover bereits für 15 Euro zu bekommen. Viele Geschäfte haben versucht, für den Schlussverkauf noch einmal extra Winterware wie Handschuhe, Mützen und dicke Jacken zu ordern, sogar Rodelschlitten sind vereinzelt wieder vorrätig. Unter anderem bei Eisen Döring in Charlottenburg und im Sporthaus Rothe in Friedenau, wo Inhaber Hans-Joachim Rothe vor wenigen Tagen bei einem bayrischen Großhändler für Holzschlitten fündig geworden ist und sein leeres Lager auffüllen konnte.

„Der gesamte Einzelhandel kann sich beim Wetter bedanken, es beschert uns gute Umsätze in diesem Jahr“, sagt Detlef Steffens. Der Geschäftsführer der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ist froh, dass der Verkauf der reduzierten Ware nicht mehr erst am letzten Montag im Januar beginnt. „Denn es gab Jahre, in denen wir wegen eines warmen Januars auf der ganzen Winterware sitzen geblieben sind“, sagt Steffens.

Doch nicht alle freuen sich über die Kälte: Monique Rudolf, stellvertretende Leiterin der Kookai-Filiale im Alexa, macht sie auch für den schleppenden Start des Schlussverkaufs verantwortlich: „Wer geht bei dieser Kälte und den vereisten Wegen schon gern shoppen?“ Angesichts ihres leeren Geschäfts wirkt der Rat der Berliner Verbraucherberatung an Kunden, sich in diesen Tagen im Kaufrausch nicht zu übereilten Fehlkäufen verleiten zu lassen, fast schon überflüssig. Bei so viel reduzierter Ware und solch entspannter Einkaufsatmosphäre könnte sich der diesjährige Winterschlussverkauf noch zum echten Geheimtipp für Genusskäufer entwickeln. Eva Kalwa

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