• Geschäfts-Sterben am Berliner Boulevard: Souvenirshop und Buchhandlung "Berlin Story" schließen Unter den Linden

Geschäfts-Sterben am Berliner Boulevard : Souvenirshop und Buchhandlung "Berlin Story" schließen Unter den Linden

Hauptgrund ist der andauernde Umsatzeinbruch durch die Bauarbeiten für die U5, so das Unternehmen.

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Wieland Giebel, langjähriger Chef.
Wieland Giebel, langjähriger Chef.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Am Baustellen-Boulevard Unter den Linden schließen zum Jahresende die traditionsreichen Läden von "Berlin Story". Das gab das Unternehmen am Dienstagvormittag bekannt. "Hauptgrund ist der andauernde Umsatzeinbruch, der mit dem Beginn der Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 5 begann", teilte das Unternehmen mit. "Hinzu kommen geänderte Einkaufsgewohnheiten der Kundschaft." Der Berlin Story Verlag und der Berlin Story Bunker am Anhalter Bahnhof sollen bleiben.

1997 öffnete der erste Laden Untern den Linden

In einem Rückblick schreibt das Unternehmen, dass das erste Geschäft der Berlin Story im November 1997 Unter den Linden 40 eröffnet worden ist. "Im selben Haus befinden sich heute noch zwei Läden, die Buchhandlung und der Souvenirshop." In den Jahren danach zogen die Läden mehrfach um - "von 2000 bis 2004 zum Beispiel lag das Hauptgeschäft im Eckhaus Unter den Linden 10 – wo sich gegenwärtig der dritte Laden der Berlin Story befindet." Schon 2011 zog das Unternehmen um, konnte den hohen Mietpreis nicht mehr zahlen, wie es damals hieß. Der Ausverkauf aller drei Geschäfte beginnt laut Berlin Story am 19. Jahrestag der Eröffnung, am 20. November 2016.

"Bis zum Fußgängerparadies halten wir nicht durch"

Der Boulevard soll künftig ausgebaut werden - doch der Ist-Zustand ist laut Berlin Story alles andere als optimal: "1997 hatten die „Linden“ eine Mittelpromenade, auf der flaniert wurde und die der Straße den Flair eines Boulevards gab. Heute gibt es stattdessen die nicht endende Baustelle der U5 mit Dreck, Staub und Abwasserrohren." Und weiter: "Statt zu flanieren, hetzen die Menschen vorbei. Unmittelbar nach Beginn der Baustelle ging der Umsatz in allen drei Läden um 30 Prozent zurück. Bis der künftige Senat aus den „Linden“ ein Fußgängerparadies macht, halten wir leider nicht durch."

"Früher kamen Professoren aus aller Welt"

Das Unternehmen beschreibt auch den Wandel der Kundschaft: "Das Buchgeschäft hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert. Damals kamen zum Beispiel Lehrer und Professoren aus aller Welt in den Laden und kauften ganze Stapel von Bücher über die Geschichte Berlins. Wir hatten einen florierenden Service, den Käufern dicke Buchpakete nach Hause zu schicken. Heute wird bei internationalen Internet-Konzernen bestellt."

Schlusswort laut Mitteilung von Wieland Giebel, Gründer und langjährige Geschäftsführer: „Toll, dass es so lange ging. Wer hätte das gedacht, als es mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte Berlins und einer noch kleineren Buchhandlung anfing."





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