Berlin : Geschäftsaufgabe: Im Kampf gegen die Preisbindung ging die Luft aus

CD

Die erst Ende Juni vorigen Jahres eröffnete Filiale der österreichischen Buchhandels- und Medienkette "Libro" im Europa-Center ist von der Schließung bedroht. Gestern gab Libro-Chef André Rettberg in Österreich bekannt, was die 22 Mitarbeiter an der Tauentzienstraße bisher nur als Gerücht gehört hatten: Libro werde sich aus Deutschland wegen hoher Verluste zurückziehen. Einen Zeitpunkt nannte Rettberg aber nicht. Die stellvertretende Berliner Filialleiterin sagte, sie kenne keinen Schließungstermin. Die Libro-Geschäftsführung und die Betreiber des Europa-Centers waren nicht erreichbar.

Tommy Erbe von der Werbegemeinschaft der Händler im Europa-Center bezweifelt, dass Libro seine großen "Flagship Stores" (Flaggschiff-Läden) aufgeben wird, zu denen das Berliner Haus gehört. Schließlich gebe es einen Mietvertrag über zehn Jahre, sagte er. Aus Branchenkreisen habe er gehört, dass möglicherweise nur die 12 kleineren Läden der insgesamt 19 Filialen in Deutschland betroffen sind.

Im Europa-Center eröffnete im vorigen Jahr neben Libro auch die Modekette Esprit; die anderen Händler sahen darin die Chance, dass mehr junge Leute angezogen werden (Libros Zielgruppe ist 12 bis 30 Jahre alt). Über den Erfolg in Berlin ist nichts bekannt, die Vize-Filialleiterin lehnte Auskünfte dazu ab. Auf den zwei Etagen mit 2000 Quadratmetern Fläche hatte einst der "Warner Bros. Studio Store" seine Kino-Devotionalien verkauft.

In die Schlagzeilen geriet Libro im vorigen Jahr durch den Versuch, die Buchpreisbindung durch Bestellungen per Internet zu umgehen. Deutsche Verlage stellten daraufhin ihre Lieferungen ein, und es kam zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Schließlich lenkte Libro ein und strich die Rabatte bei Internet-Bestellungen.

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