Berlin : Geschäftsmeile Friedrichstraße: Für Turnschuhe haben die Kunden hier kein Auge

Tobias Arbinger

Die Geschäfte in der Friedrichstraße scheinen sich ganz gut zu entwickeln, nur für Turnschuhe, Fußbälle oder Golfschläger hat die Kundschaft offenbar weniger Augen. Vier Jahre nach der Eröffnung will Karstadt-Sport deshalb Ende Juli seine Filiale im Quartier 205 schließen. Die Umsätze seien geringer ausgefallen als erwartet, heißt es aus der Essener Konzernzentrale. Kündigungen werde es aber nicht geben. Die rund 40 Mitarbeiter des Hauses sollen in andere Karstadt-Filialen in Berlin oder in der geplanten Karstadt-Sport-Dependance im A 10-Center in Wildau weiter beschäftigt werden.

Die Kunden werden in der Filiale Friedrichstraße derzeit mit Schildern auf die Geschäftsaufgabe hingewiesen. Der Ausverkauf läuft. Das Sporthauskonzept sei im Zentrum der Stadt nicht aufgegangen, sagte Karstadt-Sport-Geschäftsführer Gregor Eßer. Möglicherweise liege das daran, dass die West-Berliner eher in der Filiale am Zoo einkauften, die Ost-Berliner den Alex bevorzugten. Wie auch immer man das schlechte Abschneiden erkläre, entscheidend seien die Fakten, sagte der Sprecher der Karstadt Warenhaus AG in Essen, Elmar Kratz. "Das, was in der Kasse bleibt".

Das Aus des Sportkaufhauses ist eher untypisch für den Trend an der Friedrichstraße. Viele Geschäftsinhaber sind dort zufrieden mit den Umsätzen. "Hervorragend" laufe das Geschäft, sagte die Leiterin der Boutique "Escada". "Wir sind mit der Entwicklung zufrieden", heißt es auch beim Karstadt-Nachbarn Lafayette. "Seit einem Jahr steigen bei uns die Umsätze", sagte der Geschäftsführer der 1998 an die Friedrichstraße gezogenen Buchhandelskette Hugendubel, Sebastian Blenninger.

Möglicherweise ist die Einkaufsstraße zwischen Unter den Linden und Leipziger Straße in den vergangenen Jahren zu edel für einen Sportladen geworden. "Das normale Publikum, das man für ein Shoppingcenter braucht", finde man hier nicht, sagte Joachim Tenkhoff, Geschäftsführer des Quartier-205-Eigentümers Tishman Speyer Properties. Viele Läden verkauften exklusive Waren. Das Publikum sei im Durchschnitt nicht so jung wie in anderen Einkaufsstraßen der Stadt, es sei "businessorientiert". Abgesehen von den Touristen bestehe es zu einem großen Teil aus Angestellten der Medienfirmen, Kanzleien und anderen Dienstleistern, die sich in den vergangenen Jahren in Mitte angesiedelt haben.

Die Läden an dem Straßenzug profitierten vom Umzug der Bundesregierung und des Parlaments, sagte Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband. Auch er sieht keinerlei Anzeichen für eine Flaute in der Friedrichstraße. Sie habe "nach Anfangsschwierigkeiten als neue Einkaufsgegend Fuß gefasst", sagte er. Viele Unternehmer verbuchten deutlich bessere Umsätze als vor zwei Jahren. Das heiße allerdings nicht, dass dort jedes Konzept gleichermaßen aufgehe. "Es kommt immer wieder zu Wechseln. Das sagt nicht, ob es der Straße gut geht oder nicht". Was Umsätze und Kundenströme angeht, sind Tauentzien und Kurfürstendamm Spitzenreiter unter den Einkaufsstraßen der Stadt. Die Friedrichstraße, so sagt Busch-Petersen, sei aber "auf dem besten Weg".

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