Gescheitertes Bauprojekt : Pleite am Köllnischen Park

Das AOK-Gebäude am Köllnischen Park geht an einen Insolvenzverwalter. Keine Bank wollte Geld für die Einrichtung von 200 Wohnungen nebst „Townhouses“ in der Tiefe des Blocks geben.

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Leer. Das ehemalige AOK-Gebäude am Köllnischen Park in Mitte. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Blauroter Backstein, ein 104 Meter lang gestrecktes Hauptgebäude und Terrakottafiguren neben dem Hauptportal – das frühere AOK-Gebäude am Köllnischen Park in Mitte ist nicht zu übersehen. Die vor Jahren angekündigten Umbaupläne der Vivacon kamen allerdings nicht voran. Die Aktiengesellschaft mit Sitz in Köln hatte sich übernommen: Keine Bank wollte Geld für die Einrichtung von 200 Wohnungen nebst „Townhouses“ in der Tiefe des Blocks geben. Die Vivacon zog die Reißleine und schickte die zwei „Objektgesellschaften“ ihres Projektes „Luise“ in die Insolvenz.

„Wir haben vergeblich versucht, das Gebäude zu verkaufen, jetzt ist der Insolvenzverwalter zuständig“, sagte Vivacon-Sprecher Michael Schroeder auf Anfrage. Insolvenzverwalter Christoph Niering wollte sich nicht äußern. Branchenexperten sagen, dass eine Insolvenz die Entwicklung eines Areals nicht gerade beschleunigt. Das Tacheles-Grundstück in der Oranienburger Straße etwa wird seit über einem Jahr von einem Insolvenzverwalter gehalten – einen Termin für eine Zwangsversteigerung gibt es noch nicht. Und auch wenn das Amtsgericht zu Geboten aufruft, kommt es oft erst beim zweiten oder dritten Termin zum Zuschlag – meistens für einen Bruchteil des „Verkehrswertes“. Das ist dann allerdings oft ein Befreiungsschlag: Weil der Bauherr weniger für das Grundstück zahlt, bleibt ihm mehr finanzieller Spielraum für Um- oder Neubau.

Zumal diese Pleite auch der Größe des Projektes geschuldet sein dürfte: Die Vivacon plante mit Baukosten von fast 100 Millionen Euro. Umbauten von Baudenkmälern wie diesem gelten als schwierig, weil die Ämter dabei mitreden – das kostet Zeit und Geld. Fast 3000 Euro pro Quadratmeter hatte die Vivacon von Käufern verlangt – 60 Wohnungen hatten Abnehmer gefunden. Diese Verträge werden nun wieder aufgelöst. ball

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