Geschenk für Berliner Lehrerin : Korruptions-Posse: Es ging um elf Euro

Die einst so teure Skulptur, wegen der eine Lehrerin in Berlin 4000 Euro Strafe zahlen musste, wurde für elf Euro versteigert.

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Wie teuer dürfen Geschenke sein, die ein Lehrer annimmt? Ein Berliner Fall hat eine Debatte ausgelöst.
Wie teuer dürfen Geschenke sein, die ein Lehrer annimmt? Ein Berliner Fall hat eine Debatte ausgelöst.Foto: imago

189,95 Euro hat die Skulptur des Künstlers Karl-Heinz Richter im Laden gekostet, eine Berliner Lehrerin kam sie weit teurer zu stehen. 4000 Euro musste die Frau wie berichtet bezahlen, damit die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Vorteilsannahme gegen sie einstellt. Sie hatte das Paar im Wannenbad von ihren Schülern als Abschiedsgeschenk erhalten. Für den Preis, den das Objekt zuletzt erzielte, hätte es wohl keinen Ankläger interessiert: Für ganze elf Euro bekam sie der Meistbietende bei einer öffentlichen Versteigerung Ende Januar 2014 übereignet. Anzumerken sei noch, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit, dass die Summe nur zusammen mit Modeschmuck und Schreibwarenartikeln erlöst werden konnte.

Eine Warnung für konsumgewöhnte Lehrer

Die Nachricht vom Verkauf dürfte das vorläufig letzte Kapitel der Mini-Affäre sein, die alle Beteiligten in ungutem Licht erscheinen lässt. Die Ankläger, weil sie mit Ingrimm ein Kleinstdelikt abstraften; die Lehrerin, weil sie um den Wert wusste und die Skulptur trotz Warnung annahm; den Anzeigeerstatter, Vater eines Schülers, der meinte, ein Exempel statuieren zu müssen. Auch die Schulverwaltung steht schlecht da, weil sie den Streit nicht schlichtete. Schlagartig bewusst dürfte dafür konsumgewöhnten Lehrern und Eltern geworden sein, dass gut gemeinte Dankesgaben zum Risiko werden können.

Die Lehrerin hätte womöglich Chancen gehabt, das Wannenpaar zurückzuerlangen. Allerdings hatte sie es bei ihrer Schulleitung abgegeben, von dort wanderte es in die Bildungsverwaltung, dann zum Polizeipräsidium, später in die Asservatenstelle der Staatsanwaltschaft. Schließlich erklärte sich die damals Beschuldigte mit der außergerichtlichen Einziehung einverstanden, womit die Skulptur freigegeben war. Theoretisch wäre der Käufer zu ermitteln, aber es ist unwahrscheinlich, dass er sie noch hat. Oft sind es Profis, die Ware für den Flohmarkt suchen.

Fest steht nach all dem, dass bei den öffentlichen Versteigerungen ehemaliger Asservate manchmal ein Schnäppchen zu machen ist. Es gibt keine am Wert orientierten Mindestgebote, los geht es bei einem Euro. Die Keller sind gefüllt, heißt es, Berlins Kriminelle sorgen für ausreichend Nachschub. Das nächste Mal ist es am 20. Februar soweit, im Versteigerungsraum des Amtsgerichts Tiergarten in der Wilsnacker Straße 5. Einlass um 10, Start um 11 Uhr.

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