Berlin : Geschenk für den Bundestag

Verein sammelt Spenden zur Restaurierung des Schadowhauses in Mitte

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Wo vor gut 200 Jahren der Bildhauer und Zeichner Johann Gottfried Schadow einzog, wird künftig der Bundestag einige seiner Angestellten unterbringen. Das Schadowhaus in der Schadowstraße, nicht weit vom Brandenburger Tor entfernt, ist seit längerer Zeit eine Baustelle. Ein Zaun verstellt den Zugang zu dem klassizistischen Wohn- und Atelierhaus, das der Künstler mit seiner Familie 1805 bezog. Der Deutsche Bundestag richtet hier Dienststellen ein und kommt auch für die Generalsanierung des Gebäudes auf. Unterstützung erhält er von der Schadow Gesellschaft Berlin e. V. Sie möchte die Eingangspassage des Hauses so herrichten, wie sie nach dem Tod seines Erbauers (1850) ausgesehen hat.

„Das ist ein Geschenk an den Deutschen Bundestag, der das Gebäude zur Zeit sanieren und restaurieren lässt“, sagt Klaus Gehrmann, der Geschäftsführer des 1994 gegründeten Vereins. „Immerhin sind in der Hauptstadt nur noch wenige Künstlerhäuser mehr oder weniger original erhalten.“

Schadows Sohn Felix hatte im Eingangsbereich Bildhauerarbeiten als Hommage an seinen Vater anbringen lassen. Das waren keine Originale, sondern Gipsabgüsse von Bildhauerarbeiten, die in der Alten Nationalgalerie und an anderer Stelle aufbewahrt werden. Von der ursprünglichen Ausstattung des Hausflurs ist allerdings nur wenig erhalten. Um 1980 wurden in einer Nacht- und Nebelaktion die meisten Reliefs ausgebaut. Die Gründe sind nicht bekannt. Nun ist es jedoch möglich, sie durch Abformungen zu ersetzen. Zunächst erinnern die Medaillons an fünf Familienangehörige des Künstlers, sodann zeigen sie Adam und Eva sowie drei unbekleidete Frauen. Das Ensemble wird durch Genien des Schlafes und des Todes vom Grabmal des Grafen von der Mark, ferner einen Bogenschützen und schließlich durch die Darstellung von drei Parzen vervollständigt – den Schicksalsgöttinnen der antiken Mythologie.

Gehrmann zufolge werden einige Reliefs in der Staatlichen Gipsformerei in Charlottenburg nachgebildet, andere müssen erst noch beschafft werden. „Das alles kostet Geld, wir schätzen 40 000 Euro“, sagt Gehrmann. Die Schadow Gesellschaft Berlin kann diesen Betrag nicht allein aufbringen. Deshalb ruft sie zu Spenden auf. Jeder Betrag werde durch einen Stifterbrief mit einer Schadow darstellenden Zeichnung des bekannten Malers Johannes Grützke belohnt. Wer 250 Euro und darüber gibt, erhalte einen kolorierten Abzug dieses Blattes, und wer ab 500 Euro spendet, werde auf einer Bronzeplatte im Hausflur verewigt. HC

Kontakt: Telefon 226 73 02

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