Geschenk für Erstklässler in Berlin : Dicke Kinder, dicke Flaschen

Die Berliner Einschüler bekommen in diesem Jahr größere Wasserflaschen als bisher. Nett - aber haben's Schüler nicht so schon schwer genug? Eine Glosse.

von
Mit der Einschulung beginnt die Schlepperei - und hört so bald nicht wieder auf.
Mit der Einschulung beginnt die Schlepperei - und hört so bald nicht wieder auf.Foto: dpa

Nicht nur die Kinder werden immer dicker, sondern auch ihre Trinkflaschen. Zum Schulstart der Erstklässler packen viele Freiwillige an diesem Wochenende wieder tausende Bio-Brotboxen, die Montagfrüh an den Grundschulen verteilt werden. Daran beteiligen sich auch die Berliner Wasserbetriebe, die zur Brotbox eine Trinkflasche beisteuern. Statt der bisherigen Halbliterflaschen gibt’s in diesem Jahr allerdings eine Nullsechser. Für die zwar technikaffinen, aber unter Analogbüchern und Mitbringseln ächzenden Schüler – erfahrene Eltern berichten von Kuscheltieren und Kieselsteinen – bedeutet das, noch 100 Gramm mehr zu schleppen. Nach allem, was man über die Sanitärtrakte der Berliner Schulen weiß, wird die Flasche ja schon zu Hause befüllt werden müssen, wo die Wasserhähne intakt sind.

Eine große Frage für kleine Forscher

Neben der noch immer nicht herbeigeklonten Wollmilchsau ist das spezifische Gewicht von Wasser eine der letzten verbliebenen Großbaustellen der Zivilisation: Wir karren zwar Wasser in Plastikflaschen über die Alpen, statt für dasselbe Ergebnis – Glas voll – einfach den Hahn aufzudrehen. Aber wir kriegen es nicht hin, es leichter zu machen. Es gibt Cola light, Luftschokolade, Blasenfolie, legeren Käse und sogar Ultraleichtflugzeuge. Aber der Inhalt einer Nullsechser-Wasserflasche wiegt seit dem Urknall 0,6 Kilo, also ziemlich viel. Das gilt sogar für Sprudel (bis der Deckel abfliegt). Könnte die Flasche das Kind zur Schule tragen, wenn statt CO2 Helium im Wasser wäre? Warum kann man Wasser nicht doppelt konzentriert abfüllen wie Tomatenmark? Das sind Fragen, an denen kleine Forscher wachsen und eines Tages groß rauskommen können. Sofern sie nicht vorher unter der Last ihrer Getränke kollabiert sind.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben