Berlin : Geschenke dürfen wieder mehr kosten

Berlins Händler freuen sich über das Weihnachtsgeschäft. Statt Preiskriegen gibt es lange Öffnungszeiten

Cay Dobberke

Berlins Einzelhändler verzichten im Weihnachtsgeschäft diesmal auf Rabattschlachten – und dennoch liegen die Umsätze auf dem Vorjahresniveau und teils darüber. „Es läuft deutlich besser als 2003“, sagt zum Beispiel der Filialleiter von C & A im Neuen Ku’damm-Eck, Sebastian Rosendahl. Besonders gefragt sei Winterkleidung. C & A lockt zwar mit generell niedrigen Preisen, nicht aber mit spektakulären Nachlässen. Zum Erfolg dieser Strategie trage bei, dass sich „die Mitbewerber mit Rabatten zurückhalten“, so Rosendahl.

Über diese Veränderung freut sich auch Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen vom Einzelhandelsverband. Mit Preiskriegen im wichtigsten Einkaufsmonat „tun wir uns alle keinen Gefallen“, sagt er. Offenbar sei „endlich Vernunft eingekehrt“.

Zum neuen Trend scheinen sich weihnachtliche Sonderöffnungszeiten zu entwickeln. Bereits am ersten Adventswochenende hatten die Potsdamer-Platz-Arkaden und das Hohenschönhausener Linden-Center am Sonntag verkauft. Zudem öffnen die Arkaden an den kommenden beiden Sonnabenden bis 24 Uhr. Darauf reagieren nun die Gropius-Passagen in Neukölln. Sie planen ein „Mitternachts-Shopping“ an zwei Sonnabenden. Und am übernächsten Sonnabend, dem 18. Dezember, öffnen auch die Neukölln Arcaden bis zur Geisterstunde.

Centermanager Jens Kirbach von den Gropius-Passagen hält es für möglich, dass noch mehr Einkaufszentren dasselbe versuchen werden. Allerdings ist Spätverkauf nur im Rahmen von Weihnachtsmärkten und Straßenfesten zulässig. „Wir hatten das gar nicht vor“, sagt Kirbach. Die Potsdamer-Platz-Arkaden hätten sich jedoch über brancheninterne Absprachen zu den Öffnungszeiten hinweggesetzt. Als größtes Berliner Einkaufszentrum müssten die Gropius-Passagen nachziehen.

In Citylagen wie dem Kurfürstendamm und der Friedrichstraße schöpfen die meisten Läden zumindest die allgemein zulässigen Öffnungszeiten bis 20 Uhr aus. Die geplante weitere Liberalisierung des Ladenschlusses in Berlin lässt derweil noch auf sich warten. Der Senat und die SPD/PDS-Mehrheit im Parlament wollen darüber erst entscheiden, wenn die Zuständigkeit vom Bund auf die Länder übergeht. Darüber berät zurzeit noch die Föderalismuskommission.

Beflügelt wird das Geschäft erstmals durch die Werbekampagne „Winterzauber Berlin“ der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). „Das macht sich sehr positiv bemerkbar“, sagt Geschäftsführer Dieter Zeih vom Kaufhof am Alexanderplatz. Zurzeit seien etwa ein Fünftel der Käufer Touristen. Bei Reisebuchungen über die BTM bekommen sie ein Couponheft dazu, mit dem sie in einigen Geschäften zehn Prozent Rabatt erhalten.

Auf diesen „Winterzauber“–Bonus müssen Berliner Kunden verzichten. Für sie gibt es einzelne Sonderangebote, aber keine großen Rabattaktionen wie im Vorjahr. Damals waren 30- oder 40-prozentige Nachlässe schon fast die Regel. Preisabsprachen gebe es jedoch nicht, betont Kaufhof-Chef Zeih – zumal diese nach dem Kartellrecht verboten seien.

Am stärksten gefragt sind Elektrogeräte wie Digitalkameras, Fernseher mit Flachbildschirmen, DVD-Player und tragbare MP3-Player. Zu den beliebtesten Geschenken gehören auch Bücher, Schmuck, Spielwaren, Parfüm, Uhren, Dessous und Lederwaren. Dies haben bundesweite Umfragen des Hauptverbands des Einzelhandels (HDE) ergeben.

Nach Ansicht des Kulturkaufhauses Dussmann an der Friedrichstraße achten viele Kunden nicht mehr vorrangig auf den Preis. „Gerade zu Weihnachten werden eher edlere Buchausgaben nachgefragt“, so Sprecherin Carola Krischker. Das Weihnachtsgeschäft habe bei Dussman schon im Oktober begonnen. „Bisher sind wir sehr zufrieden.“

Insgesamt war 2004 für den Berliner Einzelhandel allerdings das 13. Jahr in Folge mit Umsatzrückgängen. Die Adventszeit dürfte an dieser Bilanz wenig ändern. Immerhin hat das Weihnachtsgeschäft laut Nils Busch-Petersen aber „das Potenzial, in den bitteren Tee des Jahres einen Tropfen Honig zu tun“.

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