Geschichte : Auf der Mauer, auf der Lauer

Piitiplatsch und Handschellen: Das Jugendmuseum Schöneberg eröffnet zwei Ausstellungen über die Teilung Berlins. 300 Objekte sind zu sehen.

Daniela Martens

Die schlichte Konservendose hat keine Aufschrift. Daneben liegt ein kleiner Zettel: Schmalzfleisch aus der Notfallreserve des Senats war zur Zeit des Kalten Krieges darin. „Das war wirklich lecker“, sagt Dieter Hapel (CDU) und grinst. Der Tempelhof-Schöneberger Bildungsstadtrat beugt sich über die Vitrine, in der die Dose liegt – im Jugendmuseum Schöneberg an der Hauptstraße 40.

Einen Tag vor der Eröffnung, sieht sich der Stadtrat schon mal die neue Ausstellung an: „Geschichtslabor 02. Berlin Halb und halb“ heißt sie. Vor allem Kinder ab zehn, aber auch Erwachsene, sollen in der Schau etwas über das „Wechselspiel und die Berührung zwischen Ost und West“ lernen, sagt Museumsleiterin Petra Zwaka, die heute um 19 Uhr die Ausstellung eröffnet – mit Ulrich Dovermann von der Bundeszentrale für politische Bildung und Robert Grünbaum von der Stiftung „Aufarbeitung der SED-Diktatur“. Die Veranstaltung gehört zur langen Nacht der Museen und die beginnt um 15 Uhr mit einem Kinderprogramm: Bei „Auf der Mauer, auf der Lauer“ geht es um Spiele in Ost und West – zum Mitmachen. Das passt zum Konzept des Jugendmuseums: Um herauszufinden, was Kinder eigentlich von der Zeit der Teilung wissen und wofür sie sich interessieren, hat das Museum im Frühjahr Workshops veranstaltet: 150 Schüler aus östlichen und westlichen Bezirken haben mit Zeitzeugen gesprochen – auch mit ihren Eltern und Großeltern. Sie haben Orte besucht, die früher an der Grenze lagen und ihre Erlebnisse gemeinsam mit Museumspädagogen zu einer weiteren Ausstellung verarbeitet: „Ost und West und mitten drin“ wird ebenfalls heute eröffnet und ist nicht im Jugendmuseum zu sehen, sondern in einem Bauwagen, der bis Ende des Jahres Schulen besucht. Am heutigen Sonnabend steht er im Hof des Museums und sein Inhalt ist ausnahmsweise für jedermann zu besichtigen: selbst gemachte Trickfilme und von Schülern gebastelte Pappreliefs. „Durch solch einen Tunnel wollte Frau Schneider flüchten“, hat ein Schüler neben sein Werk geschrieben und ein Bild der Zeitzeugin daneben geklebt.

„Manche Schüler haben erst nach dem einwöchigen Workshop begriffen, dass der Westteil Berlins eine Insel war“, sagt Petra Zwaka. Solche Erkenntnisse sollen sich Kinder auch in der Dauerausstellung, dem Geschichtslabor, selbst erarbeiten. Zu jedem Ausstellungsstück können sie sich Informationen aus Kisten und Rollwagen selbst suchen. Für Schulklassen gibt es mehrstündige Workshops.

Gut sei es, wenn Kinder mit ihren Eltern kommen, sagt Petra Zwaka. Erwachsene können über ein Wiedersehen mit manch einem der 300 Objekte staunen – vom Pittiplatsch-Buch bis zu den dicken Handschellen, in denen Regimegegner abgeführt wurden. Wer sich nicht mehr erinnert, kann sein Gedächtnis heute ab 20.30 Uhr auffrischen: Dann lesen die Autoren Susanne Schädlich, Christhard Läpple, Michael Wildenhain, Anja Feldhorst und Tagesspiegel-Redakteur David Ensikat über ihre Ost-West-Erfahrungen.

Das ganze Programm und weitere Informationen unter www.jugendmuseum.de

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