Geschichtswettbewerb : Köhler ehrt 14-jährigen Historiker

Canisius-Schüler gewinnt Geschichtswettbewerb. Für seine Recherche über Hans Litten bekommt ein Berliner Achtklässler den ersten Preis des Geschichtswettbewerbs von Bundespräsident Horst Köhler.

Ferda Ataman
Portella
Rafael Dolabella-Portella -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Warum der linke Rechtsanwalt Hans Litten für ihn ein Held ist? „Er hat sich selbstlos für andere eingesetzt, hat für wenig Geld Leute verteidigt und seine Schweigepflicht bis in den Tod nicht verletzt“, sagt der 14-jährige Schüler Rafael Dolabella-Portella. „Der Mann hat Adolf Hitler in einem Prozess als Zeugen vorgeladen“, fügt Rafael bewundernd hinzu. Für seine Recherche über Hans Litten bekommt der Berliner Schüler am heutigen Freitag den ersten Preis des Geschichtswettbewerbs von Bundespräsident Horst Köhler. 6600 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland hatten Projekte zum Thema „Helden: verehrt, verkannt, vergessen“ eingereicht – fünf davon erhalten heute den ersten Preis im Festsaal des Schlosses Bellevue.

Wie der Schüler auf das Thema kam? Bei einem Spaziergang mit seiner Familie fiel ihm die „Littenstraße“ in Mitte auf – er wunderte sich, warum niemand um ihn herum den Mann kannte. Also gab er „Hans Litten“ im Internet ein und fand die Informationen so interessant, dass er sich damit für den Geschichswettbewerb anmeldete. Er sprach mit Experten, recherchierte in privaten Sammlungen und suchte im Landesarchiv nach Material über Litten.

Fünf Monate lang befasste er sich mit dem Berliner Rechtsanwalt der „Roten Hilfe“, der seiner Meinung nach zu unrecht in Vergessenheit geraten ist. Litten hatte linke Arbeiter vertreten und spektakuläre politische Prozesse geführt. 1933 wurde er als Kommunist von den Nationalsozialisten in „Schutzhaft“ genommen und kam nicht mehr frei. Mit 34 Jahren flüchtete er in den Freitod im KZ Dachau.

Rafael hat nicht nur seine Biografie studiert, er hat sich auch damit befasst, wie die Bundesrepublik und die DDR mit dem Andenken umgegangen sind. Während die DDR 1950 ihre erste Volksrichterschule nach Litten benannt hat, habe ihn der Westen als Marxisten „fallen gelassen“. Das findet Rafael nicht in Ordnung: „Man muss auch politischen Gegnern zugestehen, dass sie Gutes getan haben.“

Der Achtklässler vom Canisius-Kolleg ist zu Recht stolz auf seine Leistung: Er hat eine 30 Seiten lange Arbeit verfasst – nach der Schule, an Wochenenden und in den Ferien. Jetzt brauche er wieder mehr Freizeit, sagt Rafael. „Und Sport.“ Sein Rücken habe vom vielen Sitzen am Schreibtisch ganz schön gelitten. Jiu-Jitsu soll da abhelfen. 

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