Berlin : Geschmeidige Gala

Die vierte Auflage des Davidoff-Gourmet-Festivals hinterließ nur zufriedene Gesichter

Bernd Matthies

Von Bernd Matthies

Es ist ein bisschen schade für Berlins Gourmets, dass die Stadt wohl bald einen hervorragenden Koch weniger haben wird. Denn Kolja Kleeberg, bislang nur im Frühstücksfernsehen aktiv, wird bald in irgendeiner TV-Show den singenden und rührenden und bratenden Entertainer geben – das dürfte spätestens nach seiner Moderation der Abschlussgala des Davidoff-Gourmet-Festivals beschlossen sein. Zusammen mit Carola Ferstl, der ntv-Börsianerin, schaffte er es zur allgemeinen Erheiterung, seine prominenten Kollegen nicht nur mehrsprachig vorzustellen, sondern auch Einblicke in ihre Arbeit zu geben; die große Videowand, die vom Bundespresseball einen Abend zuvor übrig geblieben war, machte es möglich. Immer, bevor in der Küche des Intercontinental die 450 Portionen des jeweiligen Gangs angerichtet wurden, führte der zuständige Gastkoch am Herd auf offener Bühne vor, wie er sich das gedacht hatte - eine glänzende Idee, die ganz beiläufig die Verbindung zwischen Gast und Küche stiftete.

Wer dabei sein wollte, musste 230 Euro mitbringen. Ein Haufen Geld. Doch niemand dürfte enttäuscht gewesen sein über eine Veranstaltung, die nicht nur glänzend unterhielt, sondern auch kulinarisch trotz der riesigen Gästezahl nichts mit Massenverpflegung zu tun hatte. Im Gegenteil: Jeder Teller, der nach draußen kam, war zuvor durch die Hände einer 80-köpfigen Küchenbrigade gegangen, die in dieser Zusammensetzung wohl kaum wieder zusammenkommen wird. Anton Mosimann, der berühmte Londoner Schweizer, eröffnete den Reigen mit einem ausgetüftelten Wachtel-Gänseleber-Parfait, dem eingelegte Walnüsse Würze gaben; er teilte sich den Teller mit dem Franzosen Philippe Guerin, der Rotbarbenfilets mit Gemüsegelee in ein kleines Weckglas geschichtet hatte. Weihevoller Vanilleduft lag über Holger Bodendorfs kompliziert gestalteten Jacobsmuscheln, Stefan Steinheuers Steinbutt wurde von kernigen Kalbskopfwürfeln und weißem Bohnenpüree geerdet, und Susanne Vössings geschmorte Kalbsbacke schwebte auf einem dezent getrüffelten Blomenkohlpüree in den Saal. Dann führte Peter Knogl aus Marbella eine raffinierte Reh-Chartreuse im Stil seines Lehrmeisters Heinz Winkler vor, das Reh in eine Selleriecreme verpackt, in einer runden Form gegart und mit Portwein-Pfeffersauce serviert. Den Schlusspunkt setzt James Benson aus Las Vegas mit einem glamourösen Schoko- Bömbchen, in dessen Mitte eine Creme brulée mit Passionsfrucht und Mango funkelte.

Diese vierte Auflage der Gourmet-Gala bestach generell dadurch, dass sie geschmeidig funktionierte. Die Musik angenehm dezent, der Service perfekt, die Moderationen nie zu lang - so blieb noch Zeit für viele nächtliche Plauderrunden; mancher, der den Freitagabend am selben Ort beim Presseball verbracht hatte, zeigte dennoch leichte Konditionsschwächen. Dies war freilich keine Promi-Gala: Nur die längst etwas seltener auftretenden Borer-Fieldings aus Potsdam zogen die Aufmerksamkeit der Fotografen auf sich, wohl eine Reverenz an den Schweizer Organisator Reto Gaudenzi.

Insgesamt scheint sich die aus der Not geborene Begrenzung des Festivals auf vier Tage plus Galaabend bewährt zu haben. Die beteiligten Restaurants waren zufrieden, denn besonders die Spezialveranstaltungen wie die Küchenparty mit Stefan Steinheuer und die Präsentation der Gaja-Weine im „Hugenotten“ kamen gut an. Im nächsten Jahr wird es also mit ziemlicher Sicherheit eine Neuauflage geben, mit neuen Gastköchen und einer Abschlussgala in der Deko des Bundespresseballs. Und mit Kolja Kleeberg als Moderator - sofern ihm seine Fernsehverpflichtungen dann noch Zeit lassen... Falls übrigens noch eine kochende Co-Moderatorin gesucht wird: Susane Vössing, vom „Kochduell“, kommt mindestens genau so gut rüber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben