Berlin : Geschützte Werte

Für Planer gilt ein besonders strenges Urheberrecht. Bundesarchitektenkammer sieht Baukultur gestärkt

Christian van Lessen

Von einem Sieg der Architektur spricht die Bundesarchitektenkammer. Es sei erfreulich, dass das Berliner Landgericht in erster Instanz „den unabgestimmten Eingriff der Deutschen Bahn AG in die geistige Leistung des Architekten als Verstoß gegen das Urheberrecht gewertet hat“. Die Baukultur sei gestärkt worden.

Jetzt muss es nach Ansicht der Architektenvereinigung darum gehen, die Interessen von Bahn und Architekten abzuwägen und eine architektonisch und wirtschaftlich angemessene Lösung zu finden. Die Kammer freut sich besonders, dass in dem Urteil gewürdigt wird, dass die Bahn die geplanten Gewölbedecken ursprünglich genehmigt hat und außerdem die Kostenplanung für die Decken den Architekten nicht zur Prüfung vorgelegt hat. „Wenn es jetzt in der öffentlichen Auseinandersetzung heißt, die Gewölbedecken würden 40 Millionen Euro kosten, ist das eine unseriöse Zahl. Auch mögliche Beeinträchtigungen von Reisenden durch Umbauarbeiten hätte die Deutsche Bahn ohne Weiteres vermeiden können.“

Die Kammer weist auf die hohe baukulturelle Qualität des Bahnhofs hin, für den Gerkan, Marg und Partner und die DB Station & Service GmbH ausgezeichnet worden seien. „Wir hoffen, dass das Berliner Urteil und der Preis die Bahn bewegen, auch die Überdachung der oberirdischen Ost-West-Gleise auf die ursprünglich vorgesehene Länge zu bringen.“ Auch die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus begrüßt das Urteil. „Berlin hat jetzt die Aussicht, dass der Hauptbahnhof wirklich das architektonische Aushängeschild wird, als dass er ursprünglich geplant war“, heißt es.

Justiziar Jürgen Becker von der Berliner Architektenkammer weist auf das besonders geschützte Urheberrecht von Architekten hin. Danach seien die Entwürfe von Werken der Baukunst und das vollendete Werk geschützt. Der Bauherr könne nur im Einvernehmen mit dem Architekten Pläne ändern. Dass Entwürfe nachträglich ohne Zustimmung geändert werden – wie im Fall der Bahnhofsdecke – sei der „klassische Eingriff in die Rechte des Architekten“. Der aktuelle Fall sei in dieser Dimension noch nicht da gewesen. Nach Ansicht Beckers ist die Zwischendecke des Architekten Karl-Heinz Winkens dagegen nicht geschützt: Dieser habe das Urheberrecht „mit verletzt“.

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