Gesellschaftliches Engagement : Die lange Nacht der guten Taten

Kreative Unternehmer fördern soziale Projekte – mit dieser Idee war das Netzwerk UPJ jetzt zu Gast beim Tagesspiegel. Mehr als acht Stunden lang wurde an Konzepten gearbeitet.

Anna Polze
Gute Ideen für gute Taten. Darum ging es in der „Nachtschicht“ in den Räumen des Tagesspiegels.
Gute Ideen für gute Taten. Darum ging es in der „Nachtschicht“ in den Räumen des Tagesspiegels.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ein Abend vor wenigen Tagen am Askanischen Platz: Im Tagesspiegel-Verlagshaus endet für viele die Arbeitszeit, auch wenn der Spätdienst der Redaktion natürlich weitermacht. Es ist 18 Uhr, Zeit für ein Feierabendbier oder einen Kinobesuch – aber nicht für die Teilnehmer des Projekts „Nachtschicht“ des Netzwerks UPJ, dem engagierte Firmen und gemeinnützige Organisationen angehören.

Unter dem Motto „Kompetenz spenden für den guten Zweck“ haben sie sich in der Veranstaltungsetage des Verlags versammelt, um sich die Nacht mit ehrenamtlicher Arbeit um die Ohren zu schlagen. Das Format entstammt dem niederländischen Vorbild „8 Hours Overtime for a good Cause“ und wurde nun zum ersten Mal in Berlin ausprobiert. Interessenten aus Stuttgart und München hat das Projekt auch schon gefunden.

Teamarbeit. Diese Teilnehmer berieten darüber, wie das Unionhilfswerk eine Gesprächsgruppe für pflegende Männer bewerben kann.
Teamarbeit. Diese Teilnehmer berieten darüber, wie das Unionhilfswerk eine Gesprächsgruppe für pflegende Männer bewerben kann.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Im Gepäck haben die meisten nicht nur einen Vorrat an Club-Mate, sondern auch ein ganz bestimmtes Anliegen. Es geht um Verbesserungen, für die den gemeinnützigen Organisationen bisher Zeit, Geld und auch das Know-how gefehlt haben: ein neuer Flyer, eine stimmige Eigendarstellung (Corporate Identity) oder ein professionelles Marketingkonzept.

Die Gruppe der Servicestelle Jugendbeteiligung sucht Ideen, um einen Messestand zu gestalten. Die insgesamt vier Vereine, in denen Jugendliche für andere Jugendliche aktiv werden, wollen sich einen Stand auf dem 15. Kinder- und Jugendhilfetag teilen. „Wir sind zehn Jugendliche aus vier Vereinen, es wird sicher eine Herausforderung, in den nächsten Stunden zusammenzuarbeiten“, sagt Susann Krieglsteiner, die für die Jugendpresse Deutschland an der Nachtschicht teilnimmt.

Um den Projekten zu helfen, hat UPJ gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Camici & Tappe und der Kongressagentur pcma 25 Experten aus 20 mittelständischen Kreativ- und Beratungsfirmen aus Berlin eingeladen. Sie werden in den nächsten Stunden ihr Können spenden.

Der karitative Dauerlauf beginnt locker. Bei Buffet und Gute-Laune-Musik lernen sich die Teilnehmer erst einmal kennen. Nach einer Vorstellung der Projekte treffen sich die Teams aus Unternehmen und Organisationen in ihren Arbeitsräumen. Nach wenigen Minuten sind die Tische mit Notizen übersät und die Wände mit Post-it-Zetteln beklebt, denn Wünsche und Konzepte müssen erst einmal formuliert werden. „Es ist ein wichtiger Teil des Prozesses, festzustellen, was man eigentlich will“, sagt Ekaterina Kharabasheva. Ihre Initiative „Jourvie“ entwickelt gemeinsam mit der Charité eine App für Menschen mit Essstörungen. Ein einheitliches Grafikkonzept für App und Eigendarstellung fehlte noch.

Pausenprogramm. Zur Entspannung wurde zwischendurch auch mal gekickert.
Pausenprogramm. Zur Entspannung wurde zwischendurch auch mal gekickert.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Mitternacht: Alle treffen sich in der Lounge, stärken sich mit Suppe, manche entspannen sich bei einer Partie an Kickertischen. Einigen ist die Müdigkeit anzumerken, doch die Motivation überwiegt. „Ich bin zwar erschöpft, aber inzwischen hat mich auch der Ehrgeiz gepackt“, sagt André Krüger von „AIM - Online PR & Promotion“, der ein Marketingkonzept für Jourvie entwickelt. Nun herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre in den Gruppenräumen.

Erste Entwürfe für Jourvie stehen bald, und auch das Team „Unionhilfswerk“, das eine Gesprächsgruppe für pflegende Männer bewerben möchte, textet fleißig. Zum Glück wird regelmäßig Kaffee nachgefüllt.

Am Ende halten die Teams sogar länger als acht Stunden durch, kurz nach drei Uhr früh präsentieren sie ihre Ergebnisse. Das Projekt „Street College“ des Vereins „Gangway“ hat eine neue, interaktive Internetseite bekommen. Auch das Jourvie-Logo ist fertig, professionelle Entwürfe für die App stehen, neue Visitenkarten können bald in den Druck gehen. „Es ist ergreifend zu merken, wie aus dem Nichts heraus, so viel Neues entstehen kann“, sagt Paul Fleischanderl von der Firma „dreier-schmiede“. Er hat Jourvie bei der Programmierung der App geholfen. Stolz und zufrieden finden alle, dass sich die schlaflosen Stunden gelohnt haben.

- Informationen zum Projekt unter www.nachtschicht-berlin.de und www.facebook.com/n8schicht.

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