Gesellschaftliches Engagement : Pariser Platz: Das gute Herz des Landes

Mehr als 40 Stiftungen haben sich am Pariser Platz angesiedelt. Die Nachbarschaft in der zentralen Lage ermöglicht viele Kooperationen.

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Standortvorteil. Am Pariser Platz sind die zahlreichen Stiftungen nahe beieinander.
Standortvorteil. Am Pariser Platz sind die zahlreichen Stiftungen nahe beieinander.Foto: euroluftbild.de / VISUM

Eigentlich wollte Rupert Graf Strachwitz nur mal rasch etwas Gutes tun. Er hatte sich bereit erklärt, einen Teil der Führung durch das engagierte Berlin zu übernehmen, die ein Lingener Ehepaar im Zusammenhang mit dem Förderpreis „Aktive Bürgerschaft“ gewonnen hatte. Aber wie macht man das engagierte Berlin sichtbar? Der Stiftungsexperte zerbrach sich eine Weile lang den Kopf, bis er auf eine denkbar einfache Lösung kam: Auf zum Pariser Platz!

Den kennt jeder, aber natürlich ist er normalerweise berühmt für das Brandenburger Tor, die amerikanische und die französische Botschaft und das Hotel Adlon. Kaum jemand weiß, dass er tatsächlich auch so etwas wie das gute Herz des Landes beherbergt. Denn vor hier aus arbeiten mehr als 40 Stiftungen daran, die Zivilgesellschaft lebenswerter und lebendiger zu machen.

Aus Anlass der Führung hat Strachwitz sich die Stiftungen alle mal genauer angeschaut und eine Liste gemacht. Allein im Gebäude der Akademie der Künste sind 14 Stiftungen angesiedelt, die sich natürlich alle der Kulturförderung widmen. Dazu zählen zum Beispiel die Stiftung Eduard Arnhold und der Max Taut Hilfsfonds für Künstler, der Busoni Kompositionspreis, die Stiftung Alfred Döblin Stipendium, die O.E. Hasse Stiftung sowie die von Günter Grass gegründete Daniel Chodowiecki Stiftung, deren Zweck es ist, durch die Auszeichnung polnischer bildender Künstler die deutsch-polnischen Kulturbeziehungen zu fördern.

Auf der anderen Seite des Platzes sind im ehemaligen Gebäude der Dresdner Bank ebenfalls zahlreiche Stiftungen untergebracht. Zum einen residiert dort das Allianz Stiftungsforum, das Kooperationen und Synergien zwischen größeren und kleineren Stiftungen fördern und eine Plattform bieten soll für weitere gute Initiativen. Die Leiterin Regine Lorenz zählt unter anderem zu den Initiatoren der Stiftungsrunde und der Stiftungswoche. „Es geht uns vor allem darum, gemeinsam zu arbeiten“, erklärt sie den wachsenden Gesprächsbedarf der Stiftungen untereinander.

Mit dem Forum will man seit Juni 2008 eine „Kultur der Nachhaltigkeit schaffen und außerdem ein überkonfessionelles und überparteiliches Forum zu grundlegenden gesellschaftlichen und kulturellen Fragen“. Entscheidungsträger sind hier ebenso willkommen wie Künstler und Kreative aus aller Welt. Die dort ansässige Allianz Kulturstiftung unterstützt die Professionalisierung des akademischen und künstlerischen Nachwuchses im Sinne der europäischen Integration. Für Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Umwelt ist die Allianz Umweltstiftung zuständig. „Allianz Direkt Help“ wird in Katastrophenfällen aktiv. Gegründet wurde die Stiftung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die Allianz Stiftung für Nordamerika schließlich fördert Projekte für junge Menschen unter anderem in San Francisco und New York.

Das Gebäude beherbergt aber auch noch 19 weitere Stiftungen, die zum Teil vom Deutschen Stiftungszentrum (DSZ) im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft betreut werden. Unter den dort sonst noch ansässigen Stiftungen sind bekannte Namen, die in Berlin immer wieder mit großen gesellschaftlichen Ereignissen wahrgenommen werden, die Montblanc Kulturstiftung etwa oder die Tribute to Bambi Stiftung. Aber auch die Deutsch-Britische Gesellschaft, der Förderverein Zivilgesellschaft, die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse oder das soziale Ärztenetzwerk „Stiftung docstogether“. Ebenfalls am Pariser Platz hat die Körber Stiftung eine Repräsentanz, die Jürgen Ponto Stiftung, die Commerzbank-Stiftung und die im Liebermann-Haus ansässige „Stiftung Brandenburger Tor“.

Die Führung durch das engagierte Berlin endete dann bei der Neuköllner Bürgerstiftung, die bei dem Lingener Ehepaar auch auf viel Interesse gestoßen sei, wie sich Bodo Wannow, der Projektleiter für den Förderpreis aktive Bürgerschaft erinnert. Von der Vielfalt der Stiftungen in Sichtweite des Brandenburger Tores seien die beiden aber besonders beeindruckt gewesen. „Damit rechnet einfach niemand“, sagt Strachwitz, der „eigentlich nur was Originelles zum Auftakt“ gesucht hatte.

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