GESICHERTE QUALITÄT : Kardiologen unterliegen mehreren Kontrollen

KV-Qualitätssicherung



Um Herzkatheteruntersuchungen und anschließende Behandlungen durchführen zu dürfen, muss ein Arzt unter anderem berechtigt sein, die Schwerpunktbezeichnung Kardiologie – also Herzheilkunde – zu führen, außerdem selbstständig Indikation, Durchführung und Befundung von 1000 Katheterisierungen des linken Herzens, der Herzkranzschlagadern und der herznahen Gefäße innerhalb der letzten vier Jahre vorgenommen haben. Daneben muss der Arzt auch eine Abrechnungsgenehmigung für Leistungen in der Radiologie sowie einen Nachweis der erforderlichen Strahlenschutzfachkunde vorweisen.

Wer in der Hauptstadt als Katheterspezialist arbeiten will, muss außerdem nachweisen, dass er über mindestens eine medizinische Fachkraft der Intensivtherapie verfügt, die während des Eingriffs im jeweiligen Herzkatheterlabor anwesend ist. Ein zusätzlicher Arzt muss für Hilfseinsätze zur Verfügung stehen. Patienten müssen innerhalb von 30 Minuten in eine kardiochirurgische Abteilung einer Klinik transportiert werden können, mit der verbindliche, schriftliche Absprachen bestehen.

Auch an die Ausstattung der Herzkatheterlabore niedergelassener Mediziner gibt es Mindestanforderungen. Dazu zählen unter anderem: Intubationsbesteck und Frischluftbeatmungsgerät, Absaugvorrichtung, Sauerstoffversorgung, Defibrillator mit Einkanal-EKG- Schreiber und Oszilloskop, Möglichkeit zur Ableitung eines 12-Kanal-Elektrokardiogramms, EKG-Monitor und Rufanlage. Der Arzt muss jedes Jahr mindestens 150 Linksherzkatheteruntersuchungen genau nachweisen.



Quik-Register

Wie erfahren niedergelassene Ärzte, ob sie gut, durchschnittlich oder gar schlecht arbeiten? Die meisten Patienten sind Laien, häufig können sie die fachliche Güte einer Behandlung nicht erkennen können. Viele Praxisärzte arbeiten außerdem allein, allenfalls zu zweit oder dritt. Anders als im Krankenhaus steht kein Kollege ein Zimmer weiter. Und auch wenn mögliche Fehler nicht immer gravierend sind: Selbst wenn sie jahrelang unentdeckt bleiben, können frühere Pannen noch viel später zu ernsten Probleme führen.
Was also tun?

Kardiologen haben deshalb vor 14 Jahren ein freiwilliges Programm zur „Qualitätssicherung in der Invasivkardiologie“ (Quik) ins Leben gerufen. Ziel des Programms die flächendeckende Erfassung der Herzkatheterbehandlungen mithilfe von Einzel- und Gruppenvergleichen, kurz: eine statistische Auswertung um die Qualität zu verbessern. Das Quik-Programm soll die Behandlungsqualität dokumentieren, Auffälligkeiten herausfiltern und dadurch die Frage beantworten: „Wo stehe ich im Vergleich mit meinen Kollegen?“

Quik arbeitet mit einer Art virtuellen, zweiten Patientenakte. In der Maske vermerkt der Arzt Vorbefunde, Komplikationen und Therapievorschläge ebenso wie Risikofaktoren oder die Menge des bei einer Untersuchung eingesetzten Kontrastmittels. Dennoch machen bei weitem nicht alle Kardiologen mit. Bundesweit haben sich rund 120 Praxen angeschlossen, in Berlin sind derzeit es nur eine Handvoll.

Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung

Da viele niedergelassene Kardiologen ihre Leistungen stationär im Krankenhaus erbringen, unterliegen diese Eingriffe auch der Qualitätssicherung der Kliniken. Alle Krankenhäuser in Deutschland müssen für die gesetzliche Qualitätssicherung Therapiedaten an die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) melden: zum Beispiel zur Operationsdauer, zur Sterblichkeit oder zum Heilungserfolg. Die BQS dokumentiert etwa Behandlungsabläufe, Komplikationen und Todesfälle. Jährliche BQS-Berichte zwingen die Kliniken, nicht zu sehr unter den Durchschnitt zu fallen.hah

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