Gesperrter Nord-Süd-Tunnel : Die S-Bahn wird zur Stau-Bahn

Weil der Nord-Süd-Tunnel gesperrt ist, quälen sich noch diese Woche die Ersatzbusse durch den Berufsverkehr. Das kann dauern und nerven. Unser Autor Klaus Kurpjuweit den Test gemacht.

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In Berlin ist die S-Bahn-Strecke zwischen Anhalter Bahnhof und Nordbahnhof gesperrt.
In Berlin ist die S-Bahn-Strecke zwischen Anhalter Bahnhof und Nordbahnhof gesperrt.Foto: dpa

Heute geht das Grauen weiter: Die Busse im Ersatzverkehr für den gesperrten Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn quälen sich wieder durch den Berufsverkehr – ganz sicher mit den regelmäßigen Staus, die es bereits in der vergangenen Woche gab. Besserungen sind nicht in Sicht. Außer einer: Nach dieser Woche sollen wieder Züge durch den Tunnel fahren; die Arbeiten beim Austausch der Schienen sind bisher im Zeitplan.

Alle fünf Minuten sollen die Busse im Ersatzverkehr fahren und die Strecke zwischen Anhalter Bahnhof und Nordbahnhof in 15 Minuten absolvieren. Die vom Stau verschonte S-Bahn braucht neun Minuten. So weit die Theorie. In der Praxis mussten Fahrgäste in den vergangenen Tagen auch 20 Minuten auf einen Bus warten. „Bei vollen Straßen ist der Fahrplan nicht zu schaffen“, klagte ein Busfahrer.

Die Strecke des Grauens

Ein Beispiel: Eine Viertelstunde lang lässt sich am Bahnhof Friedrichstraße kein Bus blicken. Dann kommt doch einer. Sehr gut besetzt. Einige Fahrgäste steigen aus, mehr schieben sich hinein. Nicht alle schaffen es. Doch immerhin: Der nächste Bus ist bereits zu sehen. Er kommt fast leer – und alle, die jetzt einsteigen, können sich einen Sitzplatz aussuchen.

So lässt sich die Sperrung umfahren.
So lässt sich die Sperrung umfahren.Grafik: S-Bahn Berlin

Dann geht’s los auf der Strecke des Grauens: Und sehen, wie der Fahrer wenige Meter weiter an der engen Fahrbahn der Straßenbahnhaltestelle am Bahnhof Friedrichstraße sich an zwei zwar fast vollständig auf dem Gehweg haltenden schwarzen Limousinen – ohne Diplomatenkennzeichen – vorbeitasten muss. Es geht um Zentimeter, weil die Autos doch noch in die Straße ragen. Das langsame Vorbeifahren kostet Zeit.

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Fußgänger haben Grün, der Bus muss warten

Dann Abbiegen in die Dorotheenstraße. Fußgänger haben Grün, der Bus muss warten. Doch auch bei Rot laufen Passanten munter weiter, der Bus steht noch länger. Abbiegen in die Neustädtische Kirchstraße. Die Grünphase zum Überqueren der Linden ist kurz, auch hier dauert es fast eine Minute, bis der Bus es geschafft hat.

Dann wieder Rechtsabbiegen in die Behrenstraße. Hier gibt’s weniger Fußgänger, es geht etwas schneller. Doch schon folgt das Linksabbiegen in die Wilhelmstraße. Obwohl die Schlange vor dem Bus nicht besonders lang ist, schafft er es erst nach der zweiten Grünphase.

Kurz darauf erneutes Bremsen. Zwei Baustellen hintereinander verlangsamen den Verkehr erheblich. Auch das Rechtsabbiegen auf die Leipziger Straße dauert, wie wenig später das Linksabbiegen in die Stresemannstraße. Dann geht’s flotter bis zum Anhalter Bahnhof. Statt zehn Minuten hat’s doppelt so lang gedauert.

Der Fahrer stoppt so, dass sich die hintere Ausstiegstür unmittelbar vor einem an einem Mast auf dem Gehweg angeketteten Fahrrad befindet. Fahrgäste müssen sich zwischen Rad und Bus durchschlängeln. Einige Tage zuvor war ein Aus- und Einsteigen am Bahnhof Friedrichstraße sogar nur über ein am Boden liegendes angekettetes Fahrrad möglich, was die Fahrgäste zu kleinen Artisten machte.

Die nächste Sperrung kommt 2015

Die S-Bahn kannte die Probleme eines Busverkehrs durch die Innenstadt. Auch die Busse der BVG stecken dort häufig fest und fahren Verspätungen ein. In der Vergangenheit hatte die Bahn deshalb bei Sperrungen im Tunnel auf einen Ersatzverkehr mit Bussen verzichtet und nur auf Umfahrungsmöglichkeiten hingewiesen. Dieses Mal hat aber der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) darauf bestanden, den Ersatzverkehr anzubieten.

Die nächste Sperrung des Tunnels folgt ja erst 2015. Dann voraussichtlich für sechs bis zehn Wochen. Und wahrscheinlich wieder mit Ersatzverkehr. Geübt haben die Fahrgäste ja jetzt schon.

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