Berlin : Gespräch mit den Aydins: Körting besteht auf Ausreise

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Der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich mit der von Abschiebung bedrohten Familie Aydin und ihren Unterstützern getroffen. Auch nach dem Gespräch besteht er auf einer Ausreise der kurdischen Familie. Die Eltern sollen mit vier ihrer elf Kinder in die Türkei abgeschoben werden. Die Aydins haben hingegen einen Asylfolgeantrag gestellt, an den eine neue Duldung gekoppelt ist. Diese gilt für maximal sechs Monate.

„Das Gespräch verlief sehr freundschaftlich. Ehrhart Körting zeigte Verständnis, blieb aber bei seiner harten Position“, berichtete Svenja Pelzel von der Bürgerinitiative „Familie Aydin soll bleiben“. „Dabei haben wir ihm schriftliche, unbefristete Arbeitsangebote für Feyyaz Aydin und seinen 21-jährigen Sohn Mehmet vorgelegt“, sagte Pelzel. Außerdem hätten sie ihre Idee der Bildungspatenschaften vorgestellt: Die Bürgerinitiative will die fünf minderjährigen Kinder der Familie Aydin bis zur beruflichen Selbstständigkeit begleiten und unterstützen – ihnen etwa bei der Suche nach Praktikumsplätzen helfen. Svenja Pelzel hat sich als Patin für die 13-jährige Ayse angeboten. „Wir verstehen die Patenschaften als Modellversuch für Berlin. Und bieten zum Problem Integration eine einfache, leicht nachzuahmende und billige Lösung an“, sagte sie. Die Unterstützer seien bereit, eng mit der Senatsverwaltung zusammenzuarbeiten und ihr Engagement und die Ergebnisse regelmäßig überprüfen zu lassen. Änderungen könnten gemeinsam erarbeitet werden. Dazu sagte Körtings Sprecherin Henrike Morgenstern, der Innensenator habe das Modell in diesem Fall nicht akzeptiert, verschließe sich derartigen Ideen aber nicht grundsätzlich. Für Svenja Pelzel hat Körting damit „eine politische Lösung für Berlin und für die Familie leichtfertig verspielt“.

Außer den Vertretern der Bürgerinitiative empfing Körting auch den Familienvater Feyyaz Aydin und die 17-jährige Tochter Hayriye, die schon mit Bundespräsident Horst Köhler über die drohende Abschiebung sprechen konnte. Mit dabei war Pater Klaus Mertes von der Härtefallkommission, die die Familie ebenfalls unterstützt. Die Unterstützer haben 770 Unterschriften für ein Bleiberecht übergeben. Für eine Petition an das Abgeordnetenhaus hatten sie zuvor bereits mehrere tausend Unterschriften gesammelt.

Auch aus dem Erzbistum Berlin wurde zum Einlenken gedrängt. Der Diözesanrat, das oberste katholische Laiengremium, appelliere „mit allem Nachdruck“ an Körting, das „grausame Spiel“ zu beenden und nach dem eindeutigen Votum der Härtefallkommission von seinem Gnadenrecht Gebrauch zu machen. dma

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