Berlin : Gespräche mit Friedrichshainer Linken - Demonstration umgeleitet

ulg

Der Ärger um das Café Baum ist vorbei - jedenfalls, wenn es nach den Teilnehmern des "Runden Tisches gegen Gewalt" geht. Im Sommer hatten sich die Beschwerden der Anwohner, wie berichtet, über den mutmaßlichen Rechten-Treff gehäuft; Kneipen-Betreiberin Doris Engel fühlte sich von linken Jugendlichen bedroht. Insgesamt neun Anzeigen gingen bis zum September bei der Polizei ein: wegen Sachbeschädigung der Kneipe sowie tätlicher Übergriffe von Kneipengästen auf Passanten. Nach Aussage des Staatsschutzes hatten sich dort im Sommer Mitglieder rechtsextremer Organisationen aufgehalten.

Nun trafen sich Anwohner und Vertreter von antifaschistischen Gruppen mit dem Bezirksamt und der Polizei sowie den Café-Betreibern zum "Runden Tisch gegen Gewalt". Ergebnis: "Der Besitzer und die Betreiberin haben glaubwürdig erklärt, dass die Treffen ohne ihr Wissen auf Betreiben eines Hilfskellners zustande kamen", sagt Artur Schneider vom Bund der Antifaschisten. Kneipen-Besitzer Karsten Schlota bestätigt: "Der wird hier nicht wieder beschäftigt." Seit dem September habe es keine Rechten-Treffen mehr gegeben; wenn, wie am vergangenen Sonnabend geschehen, ein Gast Nazi-Sprüche rufe, "dann rufen wir die Polizei und schmeißen ihn raus."

Für den PDS-Abgeordneten Frederik Over ist die Situation nicht vergleichbar mit dem Lichtenberger Café Germania: "Dort wollte der Betreiber anders als hier einen faschistischen Stützpunkt aufbauen." Er hält die zwei Protestdemonstrationen vom Oktober gegen den "Baum" dennoch für legitim, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Aber jetzt gehe es auch darum, linke Gewalt gegen die Kneipe zu vermeiden. Deshalb wird die morgige Demonstration, die an die Ermordung des Hausbesetzers Silvio Meier 1992 durch Neonazis erinneren soll, nicht am Café Baum vorbeiführen, sondern nach Prenzlauer Berg geleitet werden. Baum-Betreiberin Doris Engel bleibt skeptisch: "Wir haben am Sonntag geschlossen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar