Berlin : Gestörtes Gelöbnis

Zur Rekruten-Feier wurde der Bendlerblock zur militärischen Sicherheitszone

Jörn Hasselmann

Die Störer haben es wieder geschafft, trotz der 1000 Polizisten. Im feierlichsten Moment des Gelöbnisses, beim Nachsprechen der Treueformel „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland…“, sprangen ein Mann und eine Frau plötzlich von der Pressetribüne und rannten krakeelend in Richtung Truppenfahne. „Bundeswehr abschaffen, Gelöbnis abschaffen“, riefen die jungen Leute, bis sie von Feldjägern eingefangen wurden. Die beiden hatten sich vorher korrekt als freie Journalisten akkreditiert. Alle Daten der Presse sind zuvor beim Bundeskriminalamt überprüft worden, dabei sei nichts aufgefallen, sagte anschließend ein Offizier.

Nach der Panne wurde die Gelöbnisformel ungerührt weitergesprochen „treu zu dienen – dennoch wirkte die Unterbrechung auf die 500 Rekruten und 1000 Ehrengäste ausgesprochen peinlich.

Gastredner war der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, der zur Zeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Balkenende würdigte das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 als „bedeutendes Ereignis auf dem Weg zur europäischen Zusammenarbeit und Integration“. „Versöhnung ist der einzige gangbare Weg“ sagte Balkenende in akzentfreiem Deutsch zu Bundespräsident Köhler und Kanzler Schröder. Zuvor hatte Verteidigungsstaatssekretär Kolbow daran erinnert, dass die Niederlande eines der ersten Länder gewesen seien, die von den Nazis überfallen wurden. Die vier Politiker schritten anschließend mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, die Gelöbnisaufstellung ab. Die 510 Wehrpflichtigen haben erst vor wenigen ihren Dienst beim Wachbataillon beim Verteidigungsministerium angetreten.

Einige hundert Menschen demonstrierten am Abend in der Nähe des Bendlerblocks gegen die Bundeswehr, die Kundgebung verlief friedlich. Sie musste mehrere hundert Meter vom Appellplatz entfernt enden. Wegen der Demo und der Absperrungen kam es zu starken Behinderungen des Autoverkehrs. Das Reichpietschufer war früher als angekündigt gesperrt worden, da in einem geparkten Mercedes die Sprengstoffspürhunde anschlugen. In dem Wagen lagen aber nur Gasflaschen.

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