Berlin : Gestohlene Leichen werden zum Politikum

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Hoppegarten /Posen - Wegen der Überführung der vor fast drei Wochen in Hoppegarten gestohlenen und in Polen entdeckten zwölf Leichen interveniert jetzt die Landespolitik. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bat nach Angaben des Regierungssprechers seine Minister für Inneres und Justiz, ihre Kanäle ins Nachbarland zu nutzen. Auch der Europaminister nahm Kontakt zum entsprechenden Ministerium in Warschau auf. Gemeinsam wollen alle Ministerien versuchen, die Verstorbenen zügig zurückzuholen.

Auf die Angehörigen kommen zudem immer neue Formalitäten zu. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten, haben die Behörden in Posen jetzt um die Sterbeurkunden gebeten. Diese müssen amtlich beglaubigt und ins Polnische übersetzt werden. Zuvor war unter anderem eine Bescheinigung über die Todesursachen verlangt worden. Außerdem müssen für den Transport durch Polen verschließbare Blechsärge verwendet werden. Die acht aus Berlin und vier aus Brandenburg stammenden Toten befanden sich zum Zeitpunkt des Diebstahls des Transportfahrzeuges in einfachen Holzsärgen.

Wie berichtet, sollten die Verstorbenen ins Krematorium in Meißen gebracht werden. Hier sind Einäscherungen billiger als in der Region Berlin-Brandenburg. Die Polizei nimmt an, dass die aus Polen stammenden Diebe das äußerlich nicht als Leichenwagen erkennbare Fahrzeug aufbrachen und nichts vom Inhalt des Laderaums ahnten. In der Nacht zum 15. Oktober wurden, wie berichtet, insgesamt drei Transporter aus Hoppegarten gestohlen. Zwei tauchten im Raum Posen, rund 300 Kilometer östlich Berlins, wieder auf, darunter das Bestattungsfahrzeug. Die Leichen selbst wurden von Spaziergängern in einem 85 Kilometer von Posen entfernten Wald entdeckt. Drei mutmaßliche Täter nahm die polnische Polizei fest, weitere zwei Tatverdächtige befinden sich noch auf der Flucht.

Die polnische Staatsanwaltschaft ordnete die gerichtsmedizinische Untersuchung der Toten an. Mit Hilfe von zwei deutschen Polizisten wurde deren Identität festgestellt. Falls die Hinterbliebenen alle Unterlagen beschaffen können, ist mit einer Überführung im Lauf der nächsten Woche zu rechnen. Bis dahin liegen die Verstorbenen in einem Leichenhaus in Posen. Claus-Dieter Steyer

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