Gestorben : Trauer um Schnellzeichner "Oskar"

Der unter dem Künstlernamen "Oskar" bekannte Schnellzeichner Hans Bierbrauer ist tot. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nannte Bierbrauer eine "Berliner Institution".

Lübeck/Eutin - Der gebürtige Berliner sei am Montag im Alter von 84 Jahren im ostholsteinischen Eutin gestorben, berichteten die «Lübecker Nachrichten» (Dienstagausgabe) vorab. Bierbrauer sei einer kurzen, schweren Krankheit erlegen, hieß es.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper (beide SPD) reagierten mit Betroffenheit auf den Tod des Künstlers. Wowereit sagte, «Oskar» sei eine Berliner Institution gewesen. Der Humor des Künstlers sei auch der Humor der Berliner gewesen. Momper fügte hinzu, mit Bierbrauer verliere die Hauptstadt einen ihrer namhaftesten Karikaturisten, der es immer verstanden habe, komplexe politische Ereignisse spannend und überraschend zugleich darzustellen.

Der Künstler war als Schnellzeichner in der «Abendschau» des Sender Freies Berlin (SFB) populär geworden, wo er mehr als 2000 Mal live von witzigen Kommentaren begleitet seine Porträts in Windeseile auf die Leinwand brachte. Bundesweit bekannt wurde er in gleicher Profession an der Seite von Entertainer Hans Rosenthal in dessen Fernsehshow «Dalli, Dalli» (1971-1986).

Vom Gelegenheitsarbeiter zum gefeierten Künstler

Bierbrauer solle am 14.Juli auf dem Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf beigesetzt werden, schreibt die Zeitung. Er hinterlässt eine Frau, eine Tochter und drei Enkel. Bierbrauer erhielt 1980 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1998 das Verdienstkreuz erster Klasse.

Bierbrauer kam am 24. Februar 1922 in Berlin-Wedding als Sohn eines Gelegenheitsarbeiters zur Welt und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er erlernte den Beruf des Lithographen und besuchte nebenbei das Abendgymnasium. Während des Zweiten Weltkriegs sei er in US-amerikanische, englische und russische Gefangenschaft geraten, aus der ihm die Flucht gelungen sei, schrieb er auf seiner Internetseite.

Bierbrauer nahm nach Kriegsende sein Studium an der Hochschule für Kunst wieder auf, das er jedoch wegen Geldproblemen abbrechen musste. 1949 gewann er einen vom «Tagesspiegel» ausgeschriebenen Wettbewerb für politische Karikatur. Seiner großen Liebe, der Malerei, blieb er jedoch treu. In den vergangenen Jahren hatte er sich wieder verstärkt der abstrakten Malerei zugewandt. Zu seinen liebsten Motiven zählten seine Heimatstadt Berlin und seine zweite Heimat Schleswig-Holstein. (tso/ddp)

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