Gestorbene Jugendrichterin : Weggefährten: Heisig wollte nicht in Politik

Der ehemalige Berliner CDU-Abgeordnete René Stadtkewitz behauptet, dass die im vergangenen Sommer gestorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig mit ihm eine Partei gründen wollte. Freunde und Weggefährten Heisigs widersprechen.

Foto: Michael Gottschalk/ddp/dapd
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Wollte die im vergangenen Sommer gestorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig in die Politik und eine neue Partei mitgründen? Das behauptet jetzt der ehemalige Berliner CDU-Abgeordnete René Stadtkewitz, der im vergangenen Oktober die islamfeindliche Partei „Die Freiheit“ in Berlin gegründet hat.

Im aktuellen „Spiegel“ wird Stadtkewitz mit der Aussage wiedergegeben, er habe seine Partei eigentlich mit Heisig zusammen aufbauen wollen. Die Richterin, deren nach ihrer Selbsttötung erschienenes Buch „Das Ende der Geduld“ über soziale Missstände und Jugendgewalt zum Bestseller wurde, habe sich zu Lebzeiten in Gesprächen bereit erklärt, mit ihm zusammenzuarbeiten. „Sie sollte das Gesicht werden, ich der Organisator“, behauptet Stadtkewitz. Heisig habe gesagt: „‘Wenn du was Eigenes aufbaust, René, dann sage ich nicht nein.‘ Wir trieben die Sache voran, trafen uns, planten.“

Dem widersprachen am Montag Freunde und Weggefährten Heisigs. „Das ist absurd“, sagte Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky, der unzählige Male mit der Richterin gesprochen hat und auf dienstlichen Reisen auch viele persönliche Unterhaltungen mit ihr führte. „Mir gegenüber hat sie über solche Pläne nie gesprochen.“ Nach seinem Wissen habe Heisig, die als Initiatorin des „Neuköllner Modells“ zur schnelleren Verfolgung von jugendlichen Straftätern bundesweit bekannt war, weder eine Partei aufbauen noch in eine bestehende eintreten wollen. Die Darstellung von Stadtkewitz, dessen Partei für Buschkowsky „in der Phase einer Sekte“ ist, ist aus Buschkowskys Sicht eine „Farce“ und „an den Haaren herbeigezogen“.

Ähnlich sieht das Stephan Kuperion, Jugendrichter am Amtsgericht Tiergarten und zur ihren Lebzeiten einer der engsten Vertrauten Heisigs. Es habe zwar mal auf Stadtkewitz’ Initiative hin ein Gespräch gegeben. Dass die Richterin, die nach Angaben Kuperions in keiner Partei war, dem CDU-Aussteiger Zusagen für eine Zusammenarbeit bei der Gründung seiner neuen Partei gegeben habe, hält der Jugendrichter aber für unwahrscheinlich. „Es war nicht ihr Ansinnen, eine Partei aufzubauen.“ Das ist nach Kuperions Ansicht lediglich ein „Wunschtraum“ von Stadtkewitz.

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