Berlin : Gesucht: Ein neuer Stern für den Potsdamer Platz

Wenn Daimler-Chrysler sich zurückzieht, stehen internationale Fonds bereit Wirtschaftssenator Wolf: Pläne sind keine Entscheidung gegen Standort Berlin

Sabine Beikler,Matthias Oloew

Ein Verkauf der Häuser am Potsdamer Platz würde für den Berliner Immobilienmarkt einen schweren Schlag bedeuten, obwohl Interessenten für die Häuser gehandelt werden. Das sind vor allem amerikanische Investmentfonds, die auf gute Gewinne spekulieren, weil das Preisniveau hier sehr niedrig ist. DaimlerChrysler ist derzeit alleiniger Eigentümer der Immobilien. Das Stadtviertel besteht aus 19 Gebäuden, die zusammen auf die stolze Bruttogeschossfläche von 550 000 Quadratmeter kommen. Das Grundstück ist 68 000 Quadratmeter groß, in den Parkhäusern und Tiefgaragen ist Platz für 4000 Autos. In vielen Häusern am Potsdamer Platz ist Daimler selber eingezogen.

Der Konzern selbst hat das Hochhaus am Reichpietschufer belegt, in dem die Zentrale der Finanzierungstochter debis sitzt. An der Potsdamer Straße dreht sich der Mercedes-Stern über dem Gebäude, in dem die Vertriebszentrale von Mercedes-Benz untergebracht ist. Das Weinhaus Huth ist von Daimler belegt und Sitz der Haupstadtrepräsentanz, sowie der Kunstsammlung. In den Bürogebäuden am Potsdamer Platz 1 (das ist der Ziegelbau von Architekt Hans Kollhoff) hat sich die Luft- und Raumfahrttochter EADS eingemietet. An der Linkstraße 4 findet sich eine Repräsentanz der Firma Toll Collect, an der Daimler-Chrysler beteiligt ist.

Alle anderen Gebäude werden nicht von Daimler oder den Konzerntöchtern genutzt. Allen voran die Potsdamer Platz Arkaden, das Bürohaus Potsdamer Platz 5, das Haus, das sich das Cinemaxx-Multiplex mit 19 Kinosälen und ein Hotel teilen, außerdem der Block mit dem Hotel Grand Hyatt, dem Musical-Theater und der Spielbank, und die Häuser mit dem Imax-Theater und den Wohnblöcken entlang der Alten Potsdamer Straße und der Linkstraße. Auch das Bürogebäude am Reichpietschufer, in das einst die Berliner Volksbank einziehen wollte, wird nicht durch Daimler-Firmen genutzt.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wollte sich zu der Entscheidung des Konzerns noch nicht äußern. In einer ersten Stellungnahme sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei), dass eine Entscheidung von Daimler Chrysler „an sich nichts“ mit dem Wirtschaftsstandort Berlin zu tun habe. „Wenn Daimler-Chrysler Immobilien verkaufen will, ist es eine reine konzerninterne immobilienwirtschaftliche Entscheidung“, sagte Wolf dem Tagesspiegel. Diese habe keinerlei Rückschlüsse auf eine Standortentscheidung von Daimler Chrysler zu tun. Der Konzern wolle nicht aus Berlin weg. „Solche Gerüchte hat Daimler bisher immer dementiert.“

Ob das aber nicht doch der „Anfang vom Ende des Engagements“ von Daimler-Chrysler in Berlin sein könnte, fragt sich CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer. „Sollten sich solche Anzeichen verstärken, dann muss der Senat sofort reagieren“, sagte Zimmer. Ähnlich sieht das auch Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann. „Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn sich jemand aus der Stadt zurückziehen könnte.“

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