Berlin : Gesucht: ein Platz für die Berliner Moderne

Klaus Wowereit vermisst einen Raum für Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Braucht die Stadt eine Kunsthalle? Pro & Contra

Matthias Oloew

Im Grunde genommen ist es nicht seine Idee. Seitdem aber der Regierende Bürgermeister anregte, eine Kunsthalle zu errichten, wird darüber in der Stadt diskutiert. Dem Tagesspiegel sagte Klaus Wowereit vor wenigen Tagen: „Mein Traum ist eine Kunsthalle. Das fehlt in dieser Stadt. Es geht um Künstler, für die man noch nicht die Neue Nationalgalerie ausräumen kann und die nicht in den Gropius-Bau passen.“ In seiner Regierungserklärung vom Donnerstag griff er die Idee noch einmal auf.

Die Anregung dazu stammt allerdings von einer Initiative aus Künstlern, Galeristen und Mäzenen, die unter der Moderation des Kunstmagazins „Monopol“ zuletzt beim Art Forum forderten, eine temporäre Kunsthalle am Schloßplatz zu errichten, wenn die Ruine des Palasts der Republik abgetragen sei. Der Bedarf sei da, denn in Berlin fänden Künstler, die in der Stadt leben und arbeiten, keinen Platz, ihre Werke auszustellen.

Leonie Baumann, der Geschäftsführerin der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), fällt dafür sofort ein Beispiel ein. „Wo soll ein Olafur Eliasson hin?“ Der in Berlin lebende Däne habe zuletzt in Wolfsburg seine Arbeiten in einem größeren Rahmen vorstellen können, „aber solche Möglichkeiten haben wir nicht“, sagt Baumann weiter. „Im Vergleich zu anderen Metropolen, wie Paris, London oder New York, hat Berlin viel zu wenig Ausstellungsfläche.“ Man müsse aber gar nicht so weit schauen, denn auch andere deutsche Städte seien besser ausgestattet. Düsseldorf habe die Kunsthalle, Hamburg die Deichtorhallen. Und Berlin?

Berlin hatte einst eine Kunsthalle, im sogenannten Bikini-Haus an der Budapester Straße. Sie wurde 1994 geschlossen, weil dem Senat das Geld dafür ausgegangen war. Später ist zwar der Hamburger Bahnhof dazugekommen. Er ist der zeitgenössischen Kunst reserviert, zeigt als Museum aber vor allem seine eigenen Sammlungen und hat zu wenig Platz für Wechselausstellungen, die aktuelle Trends in der Arbeit Berliner Künstler zeigen könnten.

Die Idee einer Kunsthalle hat prominente Unterstützer. Klaus-Peter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, gehört dazu, aber auch Peter Raue. Sie finden die Idee, eine Kunsthalle auf dem Schloßplatz zu errichten, statt darauf eine veritable Rasenfläche zu säen, sehr interessant.

Das allerdings bezeichnet Alice Ströver als „makaber“. Die Kulturpolitikerin der Grünen sagt: „Eine temporäre Kunsthalle hätten wir mit dem entkernten Palast der Republik gehabt. Jetzt wird die Ruine für viel Geld abgerissen.“ Aber: Eine Kunsthalle „bräuchte Berlin dringend“, sagt sie weiter, „für alle Künstler, die noch keinen Galeristen haben“.

NGBK-Geschäftsführerin Baumann sagt, wie so eine Halle ungefähr aussehen müsste: „1000 bis 1500 Quadratmeter groß, plus kleinere Werkstatträume mit mobilen Wänden, die auf die Bedürfnisse der Künstler eingehen.“ Diese Bedingungen hätte auch die Palast-Ruine nur bedingt erfüllt. „Der Palast hätte ein dauerhaftes Experimentierfeld sein können“, erklärt sie, „war aber in der Form sicherlich nicht dauerhaft als Ausstellungshalle geeignet.“

Ströver ist allerdings skeptisch, dass eine neue Halle in Berlin schon bald zu schaffen wäre: „Ich glaube nicht, dass der Senat dafür Geld zur Verfügung stellen kann.“ Und auch Wowereit sagt: „Das ist ein ambitioniertes Projekt, dafür brauchen wir Zeit.“

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