Gesund abnehmen - Berliner, die es geschafft haben : Gut gelaufen

Silvio Buchholz tauschte Couch gegen Sportschuh, Fastfood gegen Gemüse. Heute ist er Freizeit-Triathlet.

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Silvio Buchholz hat es geschafft: Er hat beinahe 30 Kilo abgenommen und bewegt sich heute gern. Joggen im Volkspark Schöneberg gehört dazu.
Silvio Buchholz hat es geschafft: Er hat beinahe 30 Kilo abgenommen und bewegt sich heute gern. Joggen im Volkspark Schöneberg...Foto: Thilo Rückeis

Silvio Buchholz, geboren in Frankfurt an der Oder, war ein kleiner, dünner Junge. Zu DDR-Zeiten betrieb er Judo als Leistungssport, weil ein paar Muskeln an ihn ranwachsen sollten. Als seine Lehre begann, gleich nach der Wende, ließ er den Sport sausen. In der Clique gab’s Bier, man lümmelte gern mit Chips auf der Couch. Bei der Musterung 1994 zeigte die Waage unter Silvio Buchholz 85 Kilo. Da dachte er sich, holla, die Waldfee, aber es machte noch nicht klick im Kopf. Seine persönliche Wende geschah mit nicht mal dreißig. Er machte gerade mit der Freundin Wellnessurlaub im Schwarzwald und betrat eine Waage, die da so rumstand. Um die Anzeige unter dem Bauch sehen zu können, musste er sich nach vorn beugen. Die Zahl bestand aus drei Stellen: 105.

Aus dieser Zeit besitzt Silvio Buchholz, 38, nur noch zwei Fotos, betitelt mit „fat boy“. Der Wiege-Schock saß so tief, dass er ab dem Tag „eine fiese Diät“ aus irgendeiner Zeitschrift begann: morgens Zwieback, eine Orange, danach nur Kohl. Mit gesunder Ernährung beschäftigte er sich erst, als er Krämpfe bekam.

2005 hat Buchholz seinen Speiseplan umgestellt: morgens Müsli, mittags Salat, eventuell ein unbelegtes Brot, abends Fleisch, Fisch oder einen  85-prozentigen Eiweißshake. „Seit drei Jahren esse ich täglich Salat.“ Meist ist er eisern, doch die Gier im Kopf ist noch da. Er hat sie eingesperrt und gewährt ihr nur ab und zu Freigang. Dann kauft sie Chips – und macht die ganze Tüte leer, isst Pizza und mit Hochgenuss Mutters unglaubliche Kohlrouladen. „Und Bier trinke ich noch immer für mein Leben gern.“ Doch das bleibt die Ausnahme.

Fressattacken und Zigaretten passen nicht mehr in sein Leben. Silvio Buchholz mutierte vom fetten zum fitten Jungen. 78 Kilo wiegt er heute, ein absoluter Sportfreak. Mit etwas Mountainbikefahren fing es an, erst 20 Kilometer, dann 40. Ein Radsportfreund stachelte seinen Ehrgeiz an. Vor vier Jahren kam Schwimmen dazu, dann, als er mehr abgenommen hatte, das Laufen. Das konnte der Wirtschaftsingenieur und Projektleiter für Sicherheitstechnik gut in seinen unsteten Berufsalltag auf Montage integrieren.

Nie wieder dick. Nur zwei Fotos aus seiner schwergewichtigen Zeit hat Silvio Buchholz aufbewahrt. "Fat boy" hat er sie überschrieben. So will er nie mehr aussehen.
Nie wieder dick. Nur zwei Fotos aus seiner schwergewichtigen Zeit hat Silvio Buchholz aufbewahrt. "Fat boy" hat er sie...Foto: privat

Sport machte ihm täglich mehr Spaß, so ein Ding zwischen immer neu gewecktem Spieltrieb und dem Ankämpfen gegen den eigenen Schweinehund. Er probierte Inlineskaten aus, meldete sich 2006 an für den Halbmarathon in Berlin. Ab da gab es kein Halten mehr. „Die Stimmung dort hat mich so begeistert, dass ich dachte, ich muss die Strecke auch mal laufen.“ 2010 war es so weit, mit 83 Kilo.

Heute braucht man ihn nur mit einer Sportidee zu locken, etwa dem „Fisherman’s Friend Strongman Run“ über Hindernisse und durch Matsch oder dem nächsten Triathlon, und er fährt, schwimmt, läuft mit. In seiner früheren Wohnung gab es eine Wand voll mit Medaillen und Plaketten, in der neuen in Schöneberg hängen drei Fahrräder. Sein teuerstes nennt er beim Namen: Scotty.

Silvio Buchholz hat jetzt eine junge Familie, seine Frau ist Sportlehrerin. Alles hat sich perfekt entwickelt, außer vielleicht, dass sie sagt, ein Wettkampf pro Monat müsse reichen. Im Juli ist das Sundschwimmen Rügen–Stralsund dran. Er hat aufgehört, neue Sportarten auszuprobieren. Dabei wäre Surfen ja ganz schön...

Nur eines macht Silvio Buchholz noch fertig: Wenn er zunimmt, wie im Urlaub in den USA. Drei Kilo mehr, da kriegt er Panik. Dann guckt er sich schnell die alten Fotos an von seinem Feind: „fat boy“.

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