Gesund abnehmen - Berliner, die es geschafft haben : Hunger nach weniger

Nach einer Schilddrüsenoperation nahm Grit Mertke zu. Abnehmen klappte erst, als sie geregelt aß.

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Sportlich unterwegs. Grit Mertke ist fast zehn Kilo Speck wieder los. Das klappte allerdings erst mit regelmäßigen Mahlzeiten und viel Bewegung. Sie geht leidenschaftlich gerne laufen. Foto: Georg Moritz
Sportlich unterwegs. Grit Mertke ist fast zehn Kilo Speck wieder los. Das klappte allerdings erst mit regelmäßigen Mahlzeiten und...Foto: Georg Moritz

Das größere Leiden begann, als vor acht Jahren ihre Schilddrüse entfernt werden musste. Tja, sagte der Facharzt nach der OP, Sie werden sich dran gewöhnen müssen, lebenslang Hormontabletten zu schlucken. Da dachte sie noch, ohne Schilddrüse, aber richtig medikamentös eingestellt, lebe es sich wie zuvor. Irrtum. Sie nahm zu: fünf Kilo, sechs Kilo, mehr. „In der Phase habe ich angefangen, falsch zu essen“, sagt Grit Mertke.

Dick war die 48-Jährige nie, im Gegenteil, schlank und sportlich. Essen bedeutete ihr nicht viel. „Ich bin ja eher ein Mäkler.“ Sie aß nicht fett, naschte nicht, sie nahm ihr Abendbrot immer vor 18 Uhr ein. Sport gehörte – schon als Ausgleich zu ihrem Bürojob als Kauffrau – mehrmals wöchentlich dazu: Gymnastik, Fahrradfahren, Fitnesstraining, Gartenarbeit, Wanderurlaube mit ihrem Mann.

Als die Waage von Monat zu Monat mehr anzeigte, ließ Grit Mertke die regelmäßigen Mahlzeiten ausfallen. „Ich habe zwischendurch gegessen: trockene Brötchen, ein paar Kekse, etwas Obst.“ Immer so viel, dass sie sich eben satt fühlte. Ihr Gewicht stieg.

Grit Mertke begann zu verzweifeln. Egal, ob sie aß oder nicht, ob sie Sport trieb oder nicht, sie nahm zu. „Ich gefiel mir nicht mehr. Mein Bauch hat mich wirklich gestört.“ Von ihrer Hausärztin bekam die 48-Jährige keine Hilfe. „Die sagte, Sie sind doch nicht dick oder: Damit muss man nach solch einer Operation eben leben.“

Hilfe fand Grit Mertke bei der Ernährungsberatung des Richtig-Essen-Instituts Berlin. Fünf Sitzungen genügten, ihre Krankenkasse, die Salus BKK, übernahm 80 Prozent der Kosten. Erste Lektion: aufschreiben, was sie aß. Ergebnis: viel zu wenig. Der Rat: mehr essen. 1500 Kalorien pro Tag, drei Mahlzeiten. Grit Mertke bekam Panik. „Ich dachte, ich dreh denen den Hals um, wenn ich auch nur ein Gramm zunehme.“

In zwei Wochen waren zwei Kilo weg. Von Ende August bis Anfang Oktober reduzierte sie ihr Gewicht um acht Kilo. Einfach, indem sie aß. Morgens zwei Scheiben Vollkornbrot mit fettreduziertem Käse oder Pute oder Hähnchenbrust, dazu ein Joghurt und Obst. Mittags Salat oder Gemüse, etwas Fleisch oder Fisch, dazu wenig Reis oder Nudeln, als Nachtisch Joghurt und eine Handvoll Obst. Abends mehr Eiweiß als Kohlenhydrate, auch magere Wurst und Quark. Sie kochte mit Pflanzenöl, gönnte sich pro Tag zehn Gramm Nüsse. „Mein Körper bekam die Energie, die er brauchte.“ Beinahe 20 Pfund weniger bringt sie nun auf die Waage: 63 Kilo bei einer Größe von 1,68 Metern.

Um das Gewicht zu halten, richtet sie sich nach einem Buch mit Ernährungsplänen. „Ich traue mich jetzt, ab und zu ein Stück Kuchen zu essen.“ Ein paar Nüsse mehr, eine Scheibe Brot mehr als zuvor. „Ich esse, weil ich weiß, ich soll nicht wieder ins alte Muster verfallen.“

Dass sie sich mit dem Thema Essen täglich beschäftigen muss, nervt Grit Mertke ein wenig. Ihre Geheimwaffe hat sie im Kofferraum immer bei sich: die Sporttasche. Nach der Arbeit fährt sie nach Hause Richtung Oranienburg. „Und zwar zum Fitnessstudio. Direkt dorthin!“

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