Gesundbrunnen : Hilfen zur Erziehung für Muslime

Ein neues Projekt von AWO und einer Moscheegemeinde in Gesundbrunnen soll Kinder mit Migrationshintergrund auf den Schulbesuch vorbereiten.

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Den ersten Schritt zu tun, war nicht so einfach. Das gibt auch Selcuk Saydam zu, der zum Vorstand der Haci-Bayram-Moschee in Gesundbrunnen gehört. Aber die Moscheemitglieder haben sich dazu entschlossen, sich von außen beraten zu lassen: in Fragen der Kindererziehung und vor allem der Vorbereitung ihrer Jüngsten auf den Schulbesuch. Ausgeschrieben hatte das Projekt das Quartiersmanagement Soldiner Straße.

„Ich bin froh, dass wir mit der Arbeiterwohlfahrt Mitte kooperieren“, sagt Saydam. Das „Tandemprojekt zur Elternbildung und Steigerung der Erziehungskompetenz“, kurz „Taze“, soll Eltern mit Migrationshintergrund beraten. Und zwar mit vier unterschiedlichen Programmen, an denen die Gemeindemitglieder teilnehmen können.

Eines davon ist nur für Väter gedacht: „In den Kursen geht es um Erziehungsfragen und um das Kommunikationsverhalten in Familien“, sagt Barbara Foerster von der AWO. Die Väter sollen darin zum Beispiel lernen, dass Kinder, die neugierig sind und Fragen stellen, später bessere Schüler werden. Für viele Männer sei es früher wichtiger gewesen, dass ihre Kinder gut verdienten. Der Schulabschluss war zweitrangig. „Aber das ist vorbei, jetzt, wo es in den Kiezen keine Industrie mehr gibt“, sagte Selcuk.

Das zweite Programm heißt „Hippy“. Es richtet sich an die Eltern von Drei- bis Sechsjährigen. Mit Hilfe von Arbeitsheften und Geschichten sollen die Mütter ihre Kinder fit für die Schule machen: indem die Kinder logisches Denken lernen, und ihre sprachlichen und motorischen Fähigkeiten trainieren. Für eingeschulte Kinder ist das Projekt „Hippy Schule“ gedacht. Deren Eltern können mit den Kleinen spezielles Material durcharbeiten. Außerdem sollen sich Lehrer und Eltern treffen, um sich kennenzulernen. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund haben selbst schlechte Erfahrungen mit der Schule gemacht“, sagte Barbara Foerster. Deshalb sei es wichtig, die Hemmschwellen der Eltern abzubauen.

Gedacht wurde auch an Kinder zwischen 18 und 24 Monaten, die mit speziellem Spielzeug, zum Beispiel Puzzles und Bauklötzen, gefördert werden. Zudem sollen ihre Mütter lernen, welche Angebote es im Kiez für die Kinder gibt. Das Projekt läuft zunächst zwei Jahre und kostet 25 000 Euro. Die Kosten werden zu je einem Drittel von Bund, Land und der EU getragen. Rita Nikolow

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