Gesundheit : Berlin tut nicht gut

Die Berliner sind öfter krank als andere Bundesbürger. Sie leiden besonders häufig an Rückenbeschwerden oder Bandscheibenproblemen, bleiben aber auch aus psychischen Gründen oft zu Hause. Sorge bereiten vor allem die Männer.

Laura Wieland

BerlinEs steht nicht besonders gut um die Gesundheit der Berliner, geht man vom Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) aus, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. „Im Schnitt fehlen die Berliner 1,5 Tage länger pro Krankheitsfall als die Bundesbürger“, sagte DAK-Geschäftsgebietsleiter, Herbert Mrotzeck. Der Krankenstand stieg 2007 leicht auf 3,8 Prozent, womit die Hauptstadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 3,2 Prozent liegt. Vor allem in den für die Stadt wichtigen Wirtschaftszweigen, etwa in der öffentlichen Verwaltung oder im Gesundheitswesen, meldeten sich die Beschäftigten öfter krank als zum Beispiel Bankangestellte oder Kulturschaffende.

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Am häufigsten blieben die Berliner wegen Rückenbeschwerden oder Bandscheibenproblemen zu Hause. Überdurchschnittlich (um zwölf Prozent) gestiegen ist auch die Zahl der Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen und Infektionen. Ebenfalls auffällig ist, dass Berliner wesentlich öfter aus psychischen Gründen von der Arbeit fern bleiben: Mit 161 Fehltagen pro 100 Versicherte liegen die Hauptstädter hier mit fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Sorgen bereiten den Gesundheitsexperten vor allem die Männer. „Wenn es um die Gesundheit geht, leben viele Männer nach dem Motto: Konkurrenz, Karriere, Kollaps“, sagt Mrotzeck. Außerdem begünstige der ungesunde Lebensstil vieler Männer – Stress, Bewegungsmangel und Alkohol – die Entstehung bestimmter Krankheiten. Sie seien risikofreudiger, „Vorsorge-Muffel“ und verletzten sich häufiger. Wegen Herzinfarkten waren sie fünfmal häufiger arbeitsunfähig als Frauen. Männer sind durchschnittlich zwar seltener krank, dafür sterben sie aber mehr als fünf Jahre früher.

Berliner Männer häufiger von Depression betroffen

Im Bundesvergleich haben Männer in Berlin sogar eine kürzere Lebenserwartung: Sie leben fast drei Jahre weniger als etwa die Baden-Württemberger. Vor allem die Männer mittleren Alters haben ein höheres Risiko, vorzeitig zu sterben. In der Gruppe der 40- bis 44-Jährigen starben 20 Prozent mehr als bundesweit. Die 50- bis 59-Jährigen starben am häufigsten an Lungenkrebs – doppelt so oft wie Frauen. Besorgniserregend ist die Zahl der Todesfälle aufgrund von Bluthochdruck: In Berlin starben fünfmal mehr Männer daran als bundesweit. Doch während bundesweit alkoholbedingte Leberkrankheiten und Herzinfarkte die häufigste Todesursache waren, starben die meisten 40-50-Jährigen in Berlin an Folgen psychischer Verhaltensstörungen.

Stress im Beruf, Konflikte im Privaten und Alkoholmissbrauch führen zu immer mehr Depressionen – und somit auch zum Ausfall im Job. Wegen einer depressiven Episode fehlten die männlichen Versicherten in Berlin, im Vergleich zu den anderen Bundesländern, zwölf Tage mehr. Zwar erkranken in der Hauptstadt fast doppelt so viele Frauen an Depressionen. Die Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer bei Männern aus, da diese dazu neigten, ihre depressiven Symptome zu verleugnen.

Immerhin eine erfreuliche Nachricht geht aus der Studie hervor: Die Zahl der Berliner Männer, die sich aufgrund von Depressionen krank meldeten, ist in den letzten sieben Jahren um acht Prozent zurückgegangen, während sie bundesweit um 18 Prozent zunahm.

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