Gesundheit : Berliner Ärzte beenden Protesttage

Zum Abschluss dreitägiger Proteste in Berlin haben Ärzte-Vertreter nachdrücklich den Stopp der Gesundheitsreform der Bundesregierung gefordert. In Berlin hatte rund die Hälfte der Ärzte zeitweise gestreikt.

Berlin - Zumindest sollte das Vorhaben um ein Jahr verschoben werden, sagte der Vorsitzende des Berliner Hartmannbundes, Rudolf G. Fitzner. Die umstrittene Reform soll Ende nächster Woche vom Bundestag beschlossen werden und Anfang April in Kraft treten. Aus Protest dagegen hatte nach Angaben des Bündnisses Berliner Kassenärzte seit Mittwoch jeder zweite der rund 6200 niedergelassenen Mediziner der Hauptstadt zeitweise die Arbeit niedergelegt. Dadurch blieben viele Praxen dicht.

Ärzte-Vertreter appellierten an die Bundestagsabgeordneten, dem vorliegenden Gesetzentwurf nicht zuzustimmen. Trotz einiger Nachbesserungen werde sich die ambulante medizinische Versorgung deutlich verschlechtern, warnte Albrecht Scheffler vom Bündnis. Er forderte eine Aufhebung der Budgetierung und eine Anpassung der Ausgaben an den Bedarf. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin erhalten Ärzte in Bayern für gleiche Leistungen 20 bis 30 Prozent mehr Geld als ihre Kollegen in der Hauptstadt.

Ärztevertreter warnen vor Abwanderungen

Durch die unzureichende Bezahlung medizinischer Leistungen müssten bis zu einem Drittel der Berliner Praxen aufgeben, sagte Fitzner. Außerdem würden immer mehr Ärzte gezwungen, ihre Verdienstausfälle zumindest durch zeitweise Arbeit im Ausland zu kompensieren. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sollen in den vergangenen Jahren bereits 12.000 deutsche Ärzte abgewandert sein.

Scheffler äußerte sich erfreut über die "große Teilnahme" der Ärzte an den Protesten. Sinn der Aktion sei es gewesen, auch im Interesse der Patienten die Folgen der Reform deutlich zu machen. Befürchtet würden weitere Leistungseinschränkungen sowie längere Wartezeiten und Wege für die Kranken infolge der geplanten Beschneidung der freien Arztwahl. Zugleich wies Scheffler Vorwürfe von Berlins Gesundheitssenatorin Karin Lompscher (Linkspartei/PDS) zurück, wonach die medizinische Behandlung infolge der Proteste nicht sichergestellt worden sei. Ihm sei nicht bekannt, "dass irgendein Mensch leiden musste". (tso/ddp)

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