Gesundheit : Infotag der Ärzte – nur nicht zur Grippe

Die Kassenärztliche Vereinigung hat zu Vorträgen eingeladen. Es geht um ambulanten Medizin, Tinnitus, Diabetes oder Rückenschmerzen. Ein Thema fehlte allerdings im Programm.

Rita Nikolow

Mit lila Tüten, so groß, dass sie fast selber darin Platz hätten, schieben sich die Besucher aus der Messehalle in der Masurenallee. An diesem Wochenende macht sich dort in den Hallen eine Kosmetikausstellung breit. Auf der Straßenseite gegenüber geht es um ganz andere Themen: die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin hat zum fünften „Tag der ambulanten Medizin“ eingeladen.

Im Untergeschoss des Gebäudes haben Selbsthilfe- und Beratungsgruppen Stände aufgebaut, auf den Tischen stehen Obstteller. Neben dem Informationsstand der Tinnitus-Selbsthilfegruppe kann man einen Hörtest machen, im großen Hörsaal halten zu jeder Stunde Experten einen Vortrag: im  Moment spricht Hans Peter Meißner, Facharzt und Professor für Diabetologie. Er redet über Diabetes, seine Kollegen referieren an diesem Tag ehrenamtlich über Rückenschmerzen, Alzheimer, Tinnitus, Angst und Netzhauterkrankungen.

Gekommen sind vor allem ältere Menschen, viele haben sich am Infostand der KV einen Stoffbeutel mitgenommen, den sie nun nach und nach füllen. Wer den Weg hierher gefunden hat, kennt sich aus mit Gesundheitsthemen – und hat oft selbst eine lange Krankengeschichte. „Ich schaue gezielt nach Veranstaltungen wie diesen“, sagt zum Beispiel Erich Hagen, der eine dicke Broschüre über Bandscheibenerkrankungen in der Hand hält.

Aber bei einem Thema ist auch ein Gesundheitsprofi wie Hagen ratlos, denn ob er sich in der nächsten Wochen gegen die Schweingrippe impfen lassen soll, das weiß er noch nicht – genauso wenig wie viele andere Besucher. „Irgendwie bekommt man nirgendwo vernünftige Informationen“, sagen er und viele andere Gäste. Am Infostand der KV verteilt Rafaela Graf immerhin zwei Papiere: die Pressemitteilung der Senatsverwaltung und einen Zettel, auf dem die Telefonnummern für die einzelnen Bezirke aufgelistet sind. „Hier noch ausführlicher über die Schweinegrippe zu informieren, hätte nicht in unser Konzept gepasst“, sagt sie. Denn an diesem Tag gehe es eben um ambulante Medizin.

Aber eben nicht um das Thema, das in diesen Tagen viele Menschen beunruhigt. „Die Politik hat viel zur Verunsicherung über die Schweinegrippe beigetragen“, sagt Joachim Berger, Facharzt für psychosomatische Medizin, vor seinem Vortrag „Wenn Angst den Alltag beherrscht“. Und auch, dass ein normales Spektrum von Angst gut sei – nicht aber zu viel oder zu wenig davon.

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