Gesundheit : Kampf um die Patienten

Die Helios-Klinik und die Charité konkurrieren um die Versorgung von Mukoviszidose-Kranken. Es ist auch ein Tauziehen um hoch spezialisierte Ärzte, Pfleger und Psychologen.

Sabine Beikler

Die Konkurrenz ist stark: Durch die zunehmende ambulante Versorgung werben Krankenhäuser um Patienten. Vor allem der private Helios-Klinikkonzern und die Charité gehen dabei mit harten Bandagen vor, nachdem 2008 der Kooperationsvertrag für den Forschungscampus Buch aufgelöst wurde. Die Charité will künftig „eigene Wege“ gehen, wie Sprecherin Kerstin Endele sagt. Von „verbrannter Erde“ zwischen Charité und Helios seit der beendeten Kooperation sprechen dagegen viele Mediziner. Jüngstes Beispiel betrifft die Versorgung von Kindern mit Atemwegserkrankungen wie die unheilbare Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Beide Konzerne kämpfen um die Errichtung eines zentralen Standortes. Als Gewinnerin wird wohl die Charité hervorgehen: Sie will Anfang November im Weddinger Virchow-Klinikum bundesweit das erste Zentrum eröffnen, in dem sowohl erwachsene als auch jüngere Mukoviszidose-Patienten behandelt werden.

Erst vergangenes Wochenende hat das Zehlendorfer Helios Klinikum Emil von Behring eine Kinderklinik mit 20 Betten, einer Ambulanz und Notfallversorgung eröffnet. Wichtiger Bestandteil sei auch die Behandlung der unheilbaren Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose, sagt Geschäftsführer Werner Ukas. Bisher hatten Charité und Helios bei dieser Behandlung zusammengearbeitet. Nach der Schließung der Kinderklinik Heckeshorn im Jahr 2006 hatte Helios die Kinderabteilung in einer angemieteten Station im Charité-Klinikum Benjamin Franklin untergebracht. Helios versorgte 20 Patienten, die gegenüberliegende Station der Charité 23 Patienten. Die Ärzte kümmerten sich unbürokratisch sowohl um Charité- als auch um Helios-Patienten. Vor gut einem Jahr kündigte die Charité den Vertrag wegen Eigenbedarfs zum Ende Juni dieses Jahres. Der Vorstand begründete die Entscheidung damit, dass der Charité-Masterplan eine Umstrukturierung der Pädiatrie vorsehe.

Im März habe es dann „Überlegungen“ gegeben, am Charité-Standort ein spezialisiertes Zentrum für Mukoviszidose-Patienten aufzubauen, sagt Sprecherin Endele. Dass der Kooperationsvertrag für Buch mit Helios bereits gekündigt war, sei dabei allerhöchstens eine „Randüberlegung“ gewesen, sagt Endele. Es sei vor allem der Wunsch der Mitarbeiter gewesen, den „universitären Status“ nicht zu verlieren. Was dann folgte, war dem Vernehmen nach zwischen Helios und Charité ein Tauziehen um hoch spezialisierte Ärzte, Pfleger und Psychologen.

Für den Charité-Klinikleiter für Pädiatrie, Ulrich Wahn, ist das neue Zentrum, das für rund 800.000 Euro auf dem Campus gebaut wird, eine hervorragende Lösung. Durch die Nähe zu Herz- und Transplantationsmedizinern sei eine „optimale Versorgung“ der Patienten gesichert. Helios-Geschäftsführer Ukas hält dagegen fest, auch in Zehlendorf junge Mukoviszidose-Patienten zu versorgen. Für 1,7 Millionen Euro habe man eine neue Kinderklinik gebaut. Man wolle jetzt auch in „verschiedenen Fachbereichen“ die medizinische Kinderversorgung übernehmen. Wie man künftig mit der Charité zusammenarbeiten könne, werde „noch überlegt“. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben